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Tennislegende Boris Becker nennt sich erstmals selbst schuldig
Nur wenig Interesse an Ex-Häftling Boris Becker: Das am Dienstagabend von Sat.1 ausgestrahlte weltexklusive Interview wollten nur 1,55 Millionen Fernsehzuschauer sehen, wobei etwa die ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" weit mehr Zuschauer lockte. Der aus dem Gefängnis entlassene Becker berichtete in dem Gespräch offen über seine Fehler, seine Zeit im Gefängnis und seine Zukunftspläne.
Die 1,55 Millionen Zuschauer entsprachen einer Einschaltquote von 5,8 Prozent. Mit 4,64 Millionen Zuschauern holte die ARD-"Tagesschau" weit mehr Publikum, "Bares für Rares" war parallel zum Becker-Interview mit 4,29 Millionen Zuschauern die erfolgreichste Sendung ab 20.15 Uhr. Wie der Branchendienst DWDL berichtete, schalteten aber deutlich mehr Zuschauer zumindest zeitweise in das Interview von Steven Gätjen mit dem 55-jährigen Becker rein. Diese Zahl habe bei 5,2 Millionen Zuschauern gelegen.
Der als Spieler, Trainer, Funktionär und Kommentator im Tennis international anerkannte Becker sagte zu seinen Zukunftsplänen: "Ich will noch 25 gute Jahre vor mir haben." Er glaube eher nicht, dass er sich dazu wieder in Deutschland ansiedle. "Ich weiß nicht, ob ich in Europa bleibe." Nach Großbritannien darf Becker wegen seiner Ausweisung vorerst nicht. Als Orte, die ihm gut gefallen, nannte er Miami und Dubai.
Becker war Ende April wegen Insolvenzvergehen zu 30 Monaten Haft verurteilt worden, von denen 15 Monate zur Bewährung ausgesetzt waren. Er kam aber in der vergangenen Woche bereits nach weniger als acht Monaten Haft frei. Möglich machte dies eine Sonderregel für ausländische Gefangene, die dann allerdings abgeschoben werden.
Becker hatte in dem Verfahren in London noch auf nicht schuldig plädiert. Bei Sat.1. sagte er, er sei in 29 Punkten angeklagt gewesen. "25 Punkte habe ich gewonnen, in vier Punkten habe ich verloren." Die Jury, die ihn verurteilt habe, habe als Hauptpunkt gesehen, dass er Geld von einem Firmenkonto genommen habe. Außerdem habe er unter anderem das Haus in seinem Heimatort Leimen, in dem seine Mutter lebt, geheim gehalten, sagte der 55-Jährige.
In dem Interview brach Becker immer wieder in Tränen aus. So etwa bei der Schilderung einer laut Becker lebensgefährlichen Situation. Es habe im Oktober eine Situation gegeben "mit einem Häftling, der wollte mich umbringen". Der wegen Mordes seit 16 Jahren einsitzende Mitgefangene habe ihm "verbal alles erklärt, was er mit mir machen wird". Zehn andere Mitgefangene hätten den Mann dann aber mit verbalen Drohungen verjagen können.
Unter Tränen schilderte Becker, wie es am anderen Tag zu einer Versöhnung gekommen sei. Der Mann habe sich vor ihm auf den Boden geworfen und seine Hand geküsst. Er habe den Mann dann hochgenommen, ihn umarmt und ihm gesagt, dass er großen Respekt vor ihm habe. Wie Becker sagte, freundete er sich im Huntercombe-Gefängnis nahe London mit mehreren Mitgefangenen an. Er will auch künftig Kontakt zu ihnen halten.
Becker zog insgesamt ein positives Fazit seiner Gefängnisstrafe. Körperlich habe sie ihm gut getan. "Ich habe nichts getrunken, nichts geraucht, wochenlang, monatelang sehr wenig gegessen." So habe er im Gefängnis mehrere Kilogramm abgenommen.
Während der Inhaftierung sei das Gefängnis "die schlimmste Zeit meines Lebens" gewesen. Aber jetzt könne er sagen, vielleicht habe er sie gebraucht. "Ich habe mich geläutert, man hat viel Zeit zum Nachdenken." Er habe über Jahre Fehler gemacht, habe sich treiben lassen und sei faul geworden. Der Gefängnisaufenthalt habe nun den alten Tennisspieler zurückgeholt. "Ich glaube, das Gefängnis war gut für mich."
A.Clark--AT