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Massive russische Drohnenangriffe auf Ukraine - Nato-Ukraine-Rat tagt in Brüssel
Die Ukraine ist eigenen Angaben zufolge von einem massiven russischen Drohnenangriff überzogen worden. Eine "Rekordzahl" von 188 Drohnen sei in der Nacht zum Dienstag auf verschiedene Landesteile abgefeuert worden, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Dabei seien unter anderem Wohnhäuser und wichtige Infrastruktur beschädigt worden. Unterdessen wollte nach dem erstmaligen Einsatz einer neuartigen russischen Mittelstreckenrakete bei einem Angriff auf die ukrainische Stadt Dnipro der Nato-Ukraine-Rat in Brüssel beraten.
Russland habe "eine Rekordzahl" von iranischen Kampfdrohnen von Typ Shahed und nicht-identifizierten Drohnen abgefeuert, erklärte die ukrainische Luftwaffe. Auch vier ballistische Raketen vom Typ Iskander-M seien zum Einsatz gekommen. In 17 Regionen des Landes wurden demnach insgesamt 76 russische Drohnen abgeschossen. Weitere 95 Drohnen seien entweder vom Radar verschwunden oder durch elektronische Störsender aus der Luft geholt worden.
"Leider wurden Einrichtungen der kritischen Infrastruktur getroffen und in mehreren Regionen Privat- und Wohngebäude beschädigt", erklärte die Luftwaffe. Berichte über Verletzte gab es demnach nicht. In der westlichen Region Ternopil, die bislang von größeren Angriffen verschont geblieben war, wurde die Stromversorgung unterbrochen.
Auch die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde laut der Stadtverwaltung von Drohnen angegriffen. Der Luftalarm dauerte demnach fünf Stunden. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von Explosionen.
Russland meldete am Dienstag indes die Einnahme eines weiteren Dorfes in der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine.
Die Kämpfe zwischen Russland und der Ukraine hatten sich in den vergangenen Wochen verstärkt - insbesondere nachdem Kiew nach einer Freigabe aus Washington vergangene Woche erstmals Ziele innerhalb Russlands mit US-Raketen des Typs ATACMS und mit von Großbritannien gelieferten Storm-Shadow-Marschflugkörpern angegriffen hatte. Der Kreml reagierte darauf am vergangenen Donnerstag mit dem erstmaligen Einsatz einer neuartigen russischen Mittelstreckenrakete, die auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden kann.
Über den Einsatz dieser neuen Rakete mit dem Namen "Oreschnik" wollte am Dienstag auch der Nato-Ukraine-Rat in Brüssel beraten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte eine internationale Reaktion auf den Einsatz gefordert und die westlichen Verbündeten zudem zur Lieferung von Flugabwehrsystemen der neuesten Generation aufgefordert. Laut dem Kreml ist es allerdings nicht möglich, "Oreschnik" abzufangen.
Bereits vor Beginn der Zusammenkunft in Brüssel spielte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow die Bedeutung des Treffens herunter: "Es ist unwahrscheinlich, dass auf Botschafterebene wichtige Entscheidungen getroffen werden", sagte er. Kiew hatte dagegen "konkrete und aussagekräftige" Ergebnisse gefordert.
Wie aus Kreisen der Nato verlautete, sind von dem Treffen tatsächlich keine großen Ergebnisse zu erwarten. Demnach dürfte das Militärbündnis der Ukraine erneut versichern, sie trotz des Einsatzes der neuartigen russischen Waffen weiter zu unterstützen. Das Treffen biete die Gelegenheit, "die aktuelle Sicherheitslage in der Ukraine zu erörtern", hieß es. Auch Vertreter aus Kiew sollen demnach eingebunden sein.
Nach Einschätzung des Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, sind Russlands Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen in erster Linie Propaganda. Der Einsatz derartiger Waffen würde Russland militärisch nicht viel bringen, außerdem würde das Land dadurch den Rückhalt Chinas etwa im UN-Sicherheitsrat verlieren, sagte er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.
Auch der Einsatz der neuartigen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik in der Ukraine sei "in erster Linie ein Propaganda-Bemühen, ein gewisser Propaganda-Erfolg", sagte Heusgen. "Grundsätzlich ändert es nichts."
W.Moreno--AT