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WSI: Corona-Trend vorbei - Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit als Männer
Zu Beginn der Corona-Pandemie sah es in Sachen alltäglicher Sorgearbeit nach mehr Geschlechtergerechtigkeit aus - doch davon ist einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge "nichts übrig geblieben". Denn auch wenn Frauen Vollzeit arbeiten und keine Kinder im Haushalt leben, "leisten sie mehr unbezahlte Arbeit als Männer", teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Stiftung am Donnerstag mit.
Grundsätzlich sind Teilzeit und Kinder in der Familie die Hauptgründe für die ungleiche Verteilung. Für ihre Erwerbstätigkeit wenden Frauen der Studie zufolge derzeit rund 28 Stunden pro Woche auf, sieben Stunden weniger als Männer. Mit knapp 26 Stunden leisten sie aber acht Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer - dazu gehören Tätigkeiten wie Wäsche und sonstige Hausarbeit, Kochen, die Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen sowie auch Gartenarbeit.
Damit kommen Frauen auf eine Wochenarbeitszeit von 54 Stunden, würden bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit zusammengerechnet. Bei den Männern sind es 53 Stunden. "Die Zahlen verdeutlichen, dass Frauen mehr arbeiten als Männer, jedoch deutlich weniger Gehalt und soziale Absicherung dafür erhalten, weil ein Großteil aus unbezahlter Sorgearbeit besteht", erklärte die wissenschaftliche Direktorin des WSI, Bettina Kohlrausch, zu den Zahlen.
"Wir brauchen eine doppelte Umverteilung", fuhr die Wissenschaftlerin fort. "Unbezahlte Arbeit muss von Frauen zu Männern und bezahlte Arbeit von Männern zu Frauen verteilt werden."
Dabei zeigt sich in der Studie laut WSI auch, dass viele ihre Zeit durchaus gern anders einteilen würden: Im Schnitt geben demnach knapp 24 Prozent der erwerbstätigen Mütter an, zu wenig Zeit für die Erwerbsarbeit zu haben. Ein Viertel der erwerbstätigen Väter ist der Meinung, dass sie zu viel Zeit für Erwerbsarbeit aufwenden. 59 Prozent der Mütter und knapp 62 Prozent der Väter haben nach eigenen Angaben zudem zu wenig Zeit für die Kinderbetreuung.
Nötig sei daher mehr Unterstützung aus der Politik und in den Betrieben, heißt es in der Studie. Genannt werden etwa die Verlängerung der Partnermonate beim Elterngeld, Lohnersatzleistungen für Pflegezeiten und die Vier-Tage-Woche.
Die Analyse der Autorin Yvonne Lott basiert auf einer Sonderauswertung der Zeitverwendungserhebung 2022. Die Daten beziehen sich dem WSI zufolge auf Menschen zwischen 18 bis 64 Jahren, die zum Zeitpunkt der Befragung tatsächlich erwerbstätig waren.
Ch.P.Lewis--AT