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Zehntausende Sadr-Anhänger strömen zu Freitagsgebet in Bagdads Grüne Zone
Zehntausende Anhänger des einflussreichen irakischen Schiiten-Anführers Moktada Sadr sind in die sogenannte Grüne Zone in Bagdad geströmt, um dort das Freitagsgebet abzuhalten. Sadr hatte zu dem Gebet an diesem Freitag auf einem großen Platz der Zone aufgerufen - was als Machtdemonstration zu verstehen ist. In der Grünen Zone liegen Botschaften und staatliche Einrichtungen, darunter auch das Parlamentsgebäude, welches Sadr-Anhänger am Samstag gestürmt hatten. Seither campieren Demonstranten weiter auf dem Parlamentsgelände.
Mit der Besetzung des Parlaments demonstrierten die Sadr-Anhänger gegen die Nominierung eines Vertreters einer rivalisierenden schiitischen Gruppierung für das Amt des Ministerpräsidenten. Der Kandidat war vom sogenannten Koordinationsrahmen, einer Allianz pro-iranischer Schiiten, nominiert worden.
Am Mittwoch forderte Sadr dann die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. Der Koordinationsrahmen zeigte sich unter Bedingungen offen für den Vorschlag. Die pro-iranische Allianz verlangte unter anderem, dass die "verfassungsmäßigen Institutionen" nicht in ihrer Arbeit beeinträchtigt werden dürften - eine Forderung, die sich offensichtlich auf die Besetzung des Parlaments bezog.
Mit der großen Versammlung zum Freitagsgebet wollte Sadr offenbar seiner Forderung nach Neuwahlen Nachdruck verleihen. Einige der in die Grüne Zone strömenden Gläubigen schwenkten die irakische Fahne und hielten Sadr-Porträts hoch. Kassem Abu Mustafa, einer der Teilnehmer, sagte: "Was auch immer Sadr meint, wir sind bei ihm."
Einem ähnlichen Gebetsaufruf des mächtigen Schiiten-Anführers waren Mitte Juli hunderttausende Gläubige gefolgt. Sie versammelten sich damals in Sadr City, einem Stadtteil von Bagdad, der nach Sadrs bei einem Anschlag getöteten Vater benannt ist.
Die Regierungsbildung im Irak steckt seit Monaten ebenso wie die Wahl eines neuen Präsidenten in einer Sackgasse. Die Sadr-Bewegung war bei den Parlamentswahlen im Oktober zwar stärkste Kraft geworden, konnte aber keine Mehrheit für die Ernennung eines Präsidenten zusammenbringen. Solange es keinen neuen Präsidenten gibt, kann auch keine neue Regierung gebildet werden.
K.Hill--AT