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Abkehr von Russland: Baltische Staaten an europäisches Stromnetz angeschlossen
Drei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben die baltischen Staaten ihre Abhängigkeit vom russischen Stromnetz beendet. Litauen, Lettland und Estland seien am Sonntag "erfolgreich" an das europäische Stromnetz angeschlossen worden, vekündete der litauische Präsident Gitanas Nauseda in Vilnius. "Heute wird Geschichte geschrieben", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
"Das ist ein historischer Moment, der das Ende einer langen Reise markiert", sagte Nauseda im Beisein der Staatschefs von Lettland, Estland und Polen sowie von der Leyens. "Wir haben volle Energieunabhängigkeit erreicht. Die Zeit des politischen Drucks und der Erpressung ist endlich vorbei.".
Die drei EU- und Nato-Mitglieder Staaten, die auch starke Unterstützer der Ukraine sind, hatten ihre Netze am Samstag von Russland abgekoppelt. Seit Sonntag sind sie nun über Polen an das europäische Netz angekoppelt. Dies wird vor allem als politisches Signal an Kreml-Chef Wladimir Putin gewertet.
Den Bezug von russischem Strom und Gas hatten die Balten bereits nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 gestoppt, ihr Netz war aber bis zum Wochenende noch mit Russland verbunden. Lettland, Litauen und Estland waren bis 1991 Teil der Sowjetunion. Ihr Verhältnis zu Russland ist von starkem Misstrauen geprägt.
Die drei Baltenländer hatten bereits 2018 beschlossen, ihre Energie-Leitungen mit dem europäischen Stromnetz zu synchronisieren. Sie bekamen dafür finanzielle Hilfe zugesagt. Einen Großteil der Kosten von 1,6 Milliarden Euro trug die EU. Die Vorbereitungen dauerten mehrere Jahre.
Von der Leyen, die eigens zu der Feier zum "baltischen Tag der Energieunabhängigkeit" nach Vilnius angereist war, begrüßte es, dass die baltischen Staaten nun frei von "Drohungen" und "Erpressungen" seien.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) schrieb im Onlinedienst Bluesky: "Zusammen stärker: Ab heute sind unsere baltischen Partner Estland, Lettland und Litauen Teil des europäischen Stromnetzes und unabhängig vom russischen Netz." Dies sei "ein großer Schritt zum Schutz der kritischen Infrastruktur in der EU und ein starkes Zeichen der Zusammenarbeit im Ostseeraum".
Nauseda verwies in seiner Rede auch auf die mutmaßlich russischen Sabotageakte in der Ostsee und forderte "substanzielles Handeln auf EU-Ebene". Nun sei es "an der Zeit, unsere Errungenschaften zu sichern". Der Krieg Russlands gegen die Ukraine habe "die Wahrnehmung der Bedrohungen für die kritische Infrastruktur in Europa radikal verändert".
In der Ostsee waren kürzlich mehrfach Unterseekabel beschädigt worden. Westliche Staaten vermuten, dass die Schäden durch Sabotageakte verursacht wurden. Verdächtigt werden Russland, aber auch China. Wegen der Vorfälle wurde ein Nato-Überwachungseinsatz in der Ostsee organisiert.
R.Garcia--AT