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Kreise: Saudi-Arabien hatte Auslieferung des Verdächtigen von Magdeburg beantragt
Für den mutmaßlichen Attentäter von Magdeburg lag ein Auslieferungsersuchen aus Saudi-Arabien vor. Die Regierung in Riad habe außerdem "viele Male" vor Taleb A. gewarnt, berichteten saudiarabische Regierungskreise am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Auch in Deutschland waren in mehreren Bundesländern Behörden wiederholt mit A. befasst. Viele Menschen zeigen sich weiter solidarisch mit den Opfern des Anschlags - bei der Stadt Magdeburg gingen über 220.000 Euro an Spenden ein.
Der Grund für das Auslieferungsersuchen von A. wurde AFP aus Saudi-Arabien nicht genannt. Saudi-Arabien habe zudem die Bundesrepublik gewarnt, der aus dem Wüstenstaat kommende Verdächtige könne "gefährlich" sein, hieß es.
Bereits am Wochenende gab es erste Hinweise auf frühere Warnungen aus Saudi-Arabien. In Deutschland hatte A. wiederholt in Mecklenburg-Vorpommern Ärger mit den Behörden, wie die dortige Landesregierung mitteilte. Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks bekam auch die Polizei in Sachsen-Anhalt bereits vor mehr als einem Jahr einen Hinweis zu dem späteren mutmaßlichen Attentäter und ließ diesen unbeantwortet. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat angekündigt, den Umgang der Behörden mit A. aufklären zu wollen.
Die Uniklinik in Magdeburg kehrte derweil drei Tage nach dem Anschlag wieder in den Regelbetrieb zurück. Damit stünden alle Bereiche der Uniklinik inklusive der Notaufnahme der Bevölkerung wieder vollständig zur Verfügung. Insgesamt seien in dem Haus 72 Verletzte der etwa 200 bei dem Anschlag verletzten Menschen versorgt worden. Darunter seien auch 15 schwerverletzte Patientinnen und Patienten.
Der Fokus der Klinik liege jetzt auf der Genesung aller Patientinnen und Patienten sowie der Unterstützung aller Betroffenen, die das traumatische Ereignis verarbeiten müssen. In den kommenden Wochen sollten die umfangreichen Betreuungsangebote durch die psychosoziale Notfallversorgung der Klinik fortgesetzt und Patienten, Mitarbeitenden und Angehörigen zur Verfügung gestellt werden.
In Magdeburg gibt es zahlreiche Zeichen der Solidarität mit den Anschlagsopfern, viele Menschen legen nach wie vor am Gedenkort an der Johanniskirche Blumen und Kerzen ab. Auf einem Spendenkonto der Stadt gingen bis Montagnachmittag 222.000 Euro an Spenden ein. Die Stadt kündigte außerdem an, "als symbolisches Zeichen der Hoffnung" die Magdeburger Lichterwelt an Heiligabend wieder einzuschalten. Der Weihnachtsmarkt war dagegen vorzeitig beendet worden, er soll ab dem 27. Dezember abgebaut werden.
SPD-Chef Lars Klingbeil sagte zu etwaigen Behördenfehlern, "wenn irgendwo Fehler passiert sind, darf es keine ideologischen Blockaden geben, diese für die Zukunft abzustellen". Es gehe jetzt darum, alle Hintergründe und Einzelheiten zu dem Täter zu ermitteln, sagte Klingbeil dem Berliner "Tagesspiegel". Die Sicherheitsbehörden machten ihre Arbeit. "Es muss geklärt werden, ob und wenn ja welche Fehler gemacht wurden."
Die Union forderte derweil mehr Kompetenzen für Ermittler. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), sagte den Zeitungen Funke Mediengruppe, Instrumente wie die Vorratsdatenspeicherung müssten dringend genutzt werden. Die Regierung müsse "schleunigst" den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat zum Gesetz zur Verbesserung der Terrorismusbekämpfung anrufen.
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) mahnte derweil zur Zurückhaltung und warnte vor Schuldzuweisungen. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, um voreilige Schlüsse zu ziehen oder gar politische Forderungen zu formulieren", erklärte Verbandschef Dirk Peglow. Viel wichtiger sei es, dass die laufenden Ermittlungen "gründlich und ohne Druck von außen" ablaufen könnten.
Die Ermittlungen zu der Tat übernahm unterdessen die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg, nachdem zunächst die Staatsanwaltschaft Magdeburg zuständig war. Ermittelt werde wegen des Verdachts des Mordes in fünf Fällen und des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 200 Fällen, teilte die Behörde mit.
Der mutmaßliche Attentäter von Magdeburg war 2006 nach Deutschland ausgereist. Der 50 Jahre alte Mediziner fühlte sich in seinem Heimatland bedroht, unter anderem weil er Islamkritiker war. Er soll Freitagabend mit einem Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast sein. Fünf Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt. Die Polizei konnte am Montag keinen aktuellen Stand zum Zustand der Verletzten geben. Am Wochenende hieß es, dass noch viele Schwerstverletzte in einem kritischen Zustand seien.
P.A.Mendoza--AT