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Ermittlungsbehörden gelingt Schlag gegen drei Kinderpornoplattformen im Darknet
Ermittlern in Hessen ist ein Schlag im Kampf gegen den Kindesmissbrauch gelungen. Die drei aktuell größten Darknetplattformen für Kinderpornografie wurden abgeschaltet, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt am Freitag mitteilten. Drei Beschuldigte wurden festgenommen, darunter der mutmaßliche Hauptadministrator aller drei Plattformen.
Auf den drei Plattformen "BoyVids 6.0", "Forbidden Love" und "Child Porn Market" sollen Fotos und Videos von sexuellem Kindesmissbrauch zum Tausch oder Kauf angeboten worden sein. Gegen die drei Festgenommenen besteht der Verdacht der bandenmäßigen Verbreitung von Kinderpornografie.
Nach der Abschaltung und Verurteilung der Betreiber von "Elysium" und "Boystown" hatte sich "BoyVids 6.0" im vergangenen Jahr nach Angaben der Ermittler als Tauschseite für sexuellen Missbrauch an Jungen etabliert. 410.000 Nutzer waren registriert, damit war sie etwas größer als "Boystown" mit zuletzt 400.000 Nutzern.
Die Seite "Forbidden Love" war eine Tauschplattform für sexuellen Missbrauch an Mädchen. Sie bestand seit Februar 2022 und hatte zuletzt 846.000 registrierte Nutzer. Damit übertraf sie "Elysium" mit 111.000 Nutzern bei Weitem. Auf "Child Porn Market" wurden entsprechende Bilder und Videos verkauft. Sie war seit etwa Oktober 2022 online. Zuletzt wurden 120 Videos angeboten. Alle drei Plattformen waren international ausgerichtet, aus diesem Grund seien die Zahlen der registrierten Nutzer so hoch.
Sie seien jedoch maßgeblich aus Deutschland gesteuert worden. Bei dem mutmaßlichen Hauptadministrator handele es sich um einen 21-Jährigen aus Sachsen. Er soll bereits bei "Boystown" aktiv gewesen sein. Nach Schließung der Plattform soll er "BoyVids 6.0" als Nachfolgeplattform gegründet haben. Er wurde am 29. November festgenommen. Bei den beiden weiteren Festgenommenen handle es sich um einen 44-Jährigen aus Niedersachsen und einen 45-Jährigen aus Schleswig-Holstein. Der 44-Jährige wurde bereits am 6. November festgenommen, der 45-Jährige am Dienstag.
Ende November wurde in diesem Zusammenhang noch ein Mann in Brasilien festgenommen. Er soll ein Administrator von "Forbidden Love" gewesen sein. Es werde weiter gegen weitere bislang unbekannte Betreiber und Nutzer der Plattformen ermittelt. Die drei Seiten seien seit Anfang Dezember nicht mehr abrufbar. Bislang seien hunderttausende Dateien mit sexuellem Kindesmissbrauch beschlagnahmt worden.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte, "das ganze Ausmaß des sexuellen Kindesmissbrauchs, das hier deutlich wird, die Größe der Plattformen mit hunderttausenden Nutzern und einer unvorstellbaren Datenmenge im Terabytebereich" mache "fassungslos". Kein Täter dürfe sich sicher fühlen vor Strafverfolgung. Sie forderte erneut die Speicherung von IP-Adressen, damit Täter identifiziert werden können.
Die Deutsche Kinderhilfe kritisierte, dass die Festnahmen der drei Beschuldigten nur möglich gewesen seien, weil die deutschen Beamten mit Ermittlern aus den USA und Australien kooperiert hätten, wo eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung möglich sei. "Dem Täterschutz mehr Raum einzuräumen als dem Schutz der Betroffenen, ist einfach nur doppelzüngig", erklärte Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe. "Auch unsere Behörden müssen endlich in die Lage versetzt werden, Tätern solcher verachtungswürdigen Delikte auf die Spur zu kommen."
D.Johnson--AT