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Ein Hauptangeklagter im Prozess um Nizza-Anschlag beteuert erneut seine Unschuld
In Frankreichs großem Terrorismusprozess zum Lkw-Anschlag in Nizza mit 86 Toten hat einer der Hauptangeklagten am Montag erneut seine Unschuld beteuert. "Ich bin kein Terrorist, ich habe nichts damit zu tun", sagte Mohamed Ghraieb, ein Freund Täters, am letzten von 60 Verhandlungstagen in Paris. Das Urteil soll am Dienstag ab 17.00 Uhr verkündet werden.
Bei dem Anschlag am französischen Nationalfeiertag auf der Uferpromenade von Nizza waren auch eine Berliner Lehrerin und zwei ihrer Schülerinnen getötet worden, die auf einer Klassenfahrt in Südfrankreich waren.
Der 31-jährige Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel hatte am 14. Juli 2016 einen Lastwagen in die Menschenmenge gesteuert, die auf der Promenade das Feuerwerk zum Nationalfeiertag bestaunte. Der Angreifer wurde von der Polizei noch am Tatort erschossen. Es war der schlimmste Anschlag in Frankreich seit der Terrornacht des 13. Novembers 2015, als dschihadistische Angreifer 130 Menschen in Paris töteten.
Angeklagt sind im Prozess um den Anschlag von Nizza insgesamt sieben Männer und eine Frau. Davon sind drei Männer aus dem Umkreis des Täters, ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung. Die übrigen fünf Angeklagten mussten sich wegen Waffenhandels vor Gericht verantworten.
Der zweite Hauptangeklagte, Chokri Chafroud, verzichtete auf eine letzte Aussage. Alle übrigen zeigten sich reuig und bekundeten den Angehörigen der Opfer ihr Mitleid.
"Ich bin schuldig, das ich eine Waffe verkauft habe, ohne nachzudenken", sagte Ramzi Arefa, einer der Bekannten des Täters. "Jetzt sind es sechs Jahre, dass ich nicht aufhöre, nachzudenken", fügte er hinzu.
Die Richter zogen sich nach den letzten Aussagen der Angeklagten zu Beratungen zurück. Mit dem Urteil am Dienstag endet der dritte der großen Terrorismus-Prozesse in Frankreich, in denen die islamistischen Anschläge von 2015 und 2016 aufgearbeitet wurden: erst gegen die Redaktion des Satireblatts "Charlie Hebdo", dann in Paris auf den Konzertsaal Bataclan und weitere Orte in der Hauptstadt und schließlich auf der Strandpromenade von Nizza.
Allen ist gemeinsam, dass den Schilderungen der Zivilparteien viel Platz eingeräumt wurde. Beim Nizza-Prozess haben fünf Wochen lang, jeweils vier Tage die Woche, Angehörige der Opfer ausgesagt. Den Anfang hatte die Mutter einer der beiden Berliner Schülerinnen gemacht.
"Es ist das Besondere an dem Prozess, dass so viel Augenmerk darauf gelegt wird, das Leiden der Opfer anzuhören", sagte die Anwältin Alexandra de Brossin de Méré, die mehrere Zivilparteien vertritt.
Sie geht davon aus, dass zwei der Hauptangeklagten von der Radikalisierung des Täters wussten. "Sie haben Selfies in dem Lastwagen in derselben Pose gemacht, mit hochgestrecktem Mittelfinger", sagte sie. "Sie wussten, in welchen Gewässern sie sich bewegten." Einer von ihnen habe in einem Facebook-Chat mit dem Täter davon gesprochen, einen Lastwagen in eine Menschenmenge zu fahren.
Die Staatsanwaltschaft wies in ihrem Plädoyer darauf hin, dass der Prozess letztlich "frustrierend" für viele Angehörige sein könnte, weil der Haupttäter nicht vor Gericht stehe. Lahouaiej-Bouhlel war von Gewalt fasziniert gewesen, hatte seine Frau misshandelt und sich erst relativ kurzfristig der dschihadistischen Ideologie verschrieben.
Der Anschlag von Nizza diente möglicherweise auch als Modell für den Anschlag des Tunesiers Anis Amri auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz wenige Monate später.
T.Perez--AT