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Google will Drittanbieter-Cookies im Chrome-Browser doch nicht abschaffen
Der US-Internetkonzern Google lässt nach jahrelangem Widerstand der Werbewirtschaft den Plan fallen, Cookies von Drittanbietern aus seinem Browser Chrome zu verbannen. Stattdessen sollen Nutzer künftig die Möglichkeit haben, ihre Cookie-Einstellungen zentral für die gesamte Browser-Nutzung zu verwalten, erklärte Google-Vizepräsident Anthony Chavez am Montag in einem Blog-Eintrag. Googles ursprüngliche Pläne für eine Lösung ganz ohne Cookies hatte auch Wettbewerbshüter nicht gänzlich überzeugt.
Cookies sind kleine Datenpakete mit Informationen zum Surfverhalten der Nutzerinnen und Nutzer, die beim Besuchen von Websites abgespeichert werden. Sie werden dann unter anderem für zielgerichtete Werbung verwendet. Datenschützer kritisieren dies seit Jahren, die EU schritt 2018 ein. Seitdem müssen Internetseiten und Apps vor der Speicherung von Cookies und ihrer Verwendung für Werbe-Zwecke die Zustimmung der Nutzer einholen.
Das geschieht meist in kleinen Benachrichtigungen, die sich extra öffnen, sogenannten Pop-up-Fenstern. Darin können die Cookies dann angenommen, abgelehnt und verwaltet werden - einzeln für jede Website und jede App. Befragungen zufolge ist ein Großteil der Nutzer davon genervt und viele klicken die Cookie-Banner möglichst schnell weg, ohne sich damit zu beschäftigen.
Google hatte im Januar 2020 Arbeiten an einem neuen Verfahren für seinen Chrome-Browser angekündigt, bei dem das Nutzerverhalten nicht mehr individuell verfolgt wird. Dies befürworteten insbesondere Datenschützer, zudem würde das einzelne Klicken entfallen. Die Einführung der sogenannten Privacy Sandbox wurde jedoch mehrmals verschoben.
Zu den schärfsten Kritikern des Vorhabens gehörte erwartungsgemäß die Werbewirtschaft, die stark auf die Verwendung von Cookies setzt. Aber auch Wettbewerbshüter schlossen sich der Kritik an, dass die Privacy Sandbox die marktbeherrschende Stellung von Google verstärken könnte. Denn der Konzern verfügt über Berge von Daten über das Nutzerverhalten, die anderen dann vorenthalten würden.
Es sei klar, dass die vorgeschlagenen Veränderungen "von vielen Beteiligten erhebliche Anstrengungen erfordern und Auswirkungen auf Verlage, Werbetreibende und alle an der Online-Werbung Beteiligten haben", erklärte Google-Vize Chavez nun. Ein "aktualisierter Ansatz" sehe deshalb nicht mehr die Abschaffung von Werbe-Cookies vor. Stattdessen sollen Nutzer künftig eine "informierte Entscheidung" treffen können, "die für ihr gesamtes Surfen im Internet gilt".
Google werde diesen Plan nun den zuständigen Aufsichtsbehörden vorlegen, vor allem in der EU und in Großbritannien, erklärte der Konzern. Stephen Bonner von der britischen Datenschutzbehörde ICO zeigte sich bereits "enttäuscht". "Wir glauben, dass das Abschaffen von Drittanbieter-Cookies ein Schritt nach vorne für die Verbraucher wäre."
A.Clark--AT