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Fiasko in Foxborough: DFB-Desaster gegen Paraguay
Aus der Traum! Die Nationalmannschaft und mit ihr Bundestrainer Julian Nagelsmann sind bei ihrer Titelmission krachend gescheitert, der deutsche Fußball liegt nach dem nächsten bitterbösen WM-Desaster mal wieder am Boden. Die DFB-Auswahl zerschellte in einer hochdramatischen Hitzeschlacht von Foxborough an den knüppelharten Defensivkünstlern aus Paraguay und schied erstmals seit 64 Jahren in der ersten K.o.-Runde aus.
Die 3:4-Pleite im Elfmeterschießen eines ebenso gruseligen wie spannenden Sechzehntelfinals erzwingt einen abermaligen Neuanfang. Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah verschossen vom Punkt. Nagelsmanns "Schattenmann" und wahrscheinlichster Nachfolger Jürgen Klopp sah das Trauerspiel live vor Ort - er war entsetzt.
Julio Enciso (42.) schrumpfte die stolze DFB-Elf im Stadion der Football-Großmacht New England Patriots schon in der regulären Spielzeit auf Zwergenmaß. Da nützte auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch das fünfte WM-Tor von Havertz (54.) nichts. Die trügerische Hoffnung eines vermeintlichen 2:1 von Jonathan Tah in der Verlängerung wurde durch eine äußerst fragwürdige Entscheidung von Schiedsrichter Jalal Jayed (Marokko) zunichte gemacht.
Das 1:2 im Gruppenfinale gegen Ecuador hatte schon massiv auf die Stimmung gedrückt und die Fans verunsichert. Zumal erwartet wurde, dass die beinharten Defensivkünstler aus Paraguay mit einer ähnlichen Körperlichkeit agieren würden. Nagelsmann forderte deshalb eine "Drecksack-Mentalität" von seinem Team - und entschied sich in der Startelf gegen Jamal Musiala.
Für den Zauberfuß spielte der robustere Deniz Undav, der vorne mehr "Präsenz" zeigen sollte. "Die Nation wollte es ja schon lange", sagte Rudi Völler und zwinkerte. Die Nation wollte auch Joshua Kimmich im Mittelfeld sehen. "Für dieses Spiel", betonte Nagelsmann, sei dies keine Option gewesen.
Die Paraguayer, die in der Vorrunde in Unterzahl die Türkei ausgeschaltet hatten (1:0), bellten schon die Hymne, als wollten sie die Deutschen auffressen. Nach 17 Sekunden hatten sie die erste Ecke, nach einer guten Minute musste Manuel Neuer erstmals eingreifen.
Nach dem frühen Schreckmoment gewann die DFB-Elf bald Kontrolle - auch über Zweikämpfe. Undav haute sich rein, der viel gescholtene Aleksandar Pavlovic, auch der Premier-League-gestählte Florian Wirtz. Doch die Südamerikaner verschleppten das Tempo, wo es ging.
Eine frühe Chance von Undav (6.) blieb ungenutzt, ansonsten entwickelte die Offensive zu wenig Tiefe. Der Weg hinter die Mauer aus blauen Trikots glich einem Irrgarten, in dem sich Undav und Co. immer wieder verliefen. Das Unglück bahnte sich an. Auch die hohen Temperaturen lasteten schwer auf dem Spiel, Nagelsmann ermahnte in der Trinkpause per Zeigefinger an der Stirn: mit Köpfchen spielen!
Doch auch danach wirkte manches kopflos, Undav kam in der ersten Hälfte auf acht (!) Ballkontakte. Alles erinnerte an den Abnutzungskampf gegen Paraguay im Achtelfinale 2002, als Oliver Neuville Deutschland in der 88. Minute erlöste. Doch ein Erbe für den Leverkusener schien nicht in Sicht.
Stattdessen stach die Nummer 41 der Weltrangliste zu. Nach einer abgewehrten Ecke kam Wirtz nicht an den Ball, eine Flanke segelte in den mit zehn deutschen Spielern besetzten Sechzehner - doch keiner war beim Torschützen, der trotz 1,73 m Körpergröße per Kopf traf. "Da tränen einem die Augen. Das ist einfach schlecht verteidigt", schimpfte der Experte Klopp bei MagentaTV.
Auch Nagelsmann war wütend, er eilte noch vor seinen Stars in die Kabine. Seine Reaktion: Er brachte Leon Goretzka für Felix Nmecha, der beim 0:1 eine schlechte Figur abgegeben hatte.
Der Münchner brachte mehr Galligkeit ins Spiel, doch es war der filigrane Wirtz, der den Ausgleich einleitete. Seine Flanke ließ Havertz am Elfmeterpunkt über den Scheitel und per Aufsetzer ins Tor streichen. Jetzt war Deutschland endlich da, Nagelsmann wollte das Momentum mit Musiala für den enttäuschenden Undav noch mehr auf seine Seite ziehen.
Doch es blieb eine überaus zähe Angelegenheit mit grausigem Ende. Die Passquote der deutschen Elf war herausragend gut - doch das war hier nicht der Maßstab. An Kreativität fehlte es in erschreckendem Maß, die wenigen Umschaltmomente verpufften meist Sekunden nach Ballgewinn.
Nagelsmann erkannte den Bedarf nach einer ordnenden Hand - und er beorderte Kimmich doch noch in die Zentrale (79.). Auch Nick Woltemade kam. Aber auch Überlegenheit in der Verlängerung half nichts: Die DFB-Elf fliegt nach einem Krimi ohne Happy End schwer geschlagen nach Hause.
P.A.Mendoza--AT