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Erstes Schiff mit ukrainischem Getreide verlässt Hafen von Odessa
Nach monatelanger Blockade durch Russland hat ein erstes Schiff mit ukrainischem Getreide für den Weltmarkt an Bord den Hafen von Odessa verlassen. Der Frachter "Razoni" lief am Montagmorgen aus dem ukrainischen Hafen aus und wird am Dienstag in Istanbul erwartet, wie das türkische Verteidigungsministerium mitteilte. Ziel des Schiffs ist demnach der Libanon. Die UNO sowie die Regierungen der Ukraine und Russlands begrüßten die Abfahrt des Schiffs.
Ziel des Frachters ist Ankara zufolge die Hafenstadt Tripoli im Libanon. Nach ukrainischen Angaben hat der Frachter 26.000 Tonnen Mais geladen. Laut dem türkischen Verteidigungsministerium dürften weitere mit Getreide beladene Schiffe "unter Beachtung des Seekorridors und der vereinbarten Formalitäten" folgen.
Vor anderthalb Wochen hatten sich die Ukraine und Russland vor dem Hintergrund drohender Lebensmittelknappheit in mehreren Weltregionen auf ein von der Türkei und den Vereinten Nationen vermitteltes Abkommen zum Getreide-Export geeinigt. Die Ukraine und Russland verpflichteten sich darin, sichere Korridore für Frachtschiffe im Schwarzen Meer zu respektieren und dort auf militärische Aktivitäten zu verzichten.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter von einem "Tag der Erleichterung für die Welt, vor allem für unsere Freunde im Nahen Osten, in Asien und Afrika". Die Ukraine sei "stets ein verlässlicher Partner" gewesen und werde es auch bleiben, "sofern Russland seinen Teil des Abkommens einhält". Im Hafen von Odessa warteten bereits 16 weitere mit Getreide beladene Schiffe darauf, auslaufen zu können.
Die russische Staatsführung bezeichnete den Start des Schiffs als "sehr positiv". Es sei "eine gute Gelegenheit", um die "Wirksamkeit" des Getreide-Abkommens zu testen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Abfahrt des Schiffes ebenfalls. Er hoffe, dass dies "das erste von vielen Handelsschiffen" sei und das Wiederanlaufen des ukrainischen Getreideexports der "weltweiten Nahrungsmittelsicherheit die dringend benötigte Stabilität und Erleichterung verschaffen wird, vor allem dort, wo die humanitäre Lage besonders labil ist".
Vergangene Woche war in Istanbul ein im Abkommen vorgesehenes Koordinationszentrum für den Getreideexport eröffnet worden. Dort sollen Vertreter der Ukraine und Russlands sowie der Türkei und der Vereinten Nationen gemeinsam die sichere Durchfahrt ukrainischer Frachtschiffe auf festgelegten Routen überwachen. Die Schiffe sollen jeweils in Istanbul inspiziert werden, um heimliche Waffenlieferungen zu verhindern.
In den ukrainischen Häfen sind wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine seit Ende Februar bis zu 25 Millionen Tonnen Getreide blockiert. Die Ukraine zählt zu den weltgrößten Exporteuren von Weizen und anderem Getreide. Die Exportblockade trifft insbesondere arme Länder, die stark von Importen aus Russland und der Ukraine abhängig sind.
Das Getreideabkommen ist die erste Vereinbarung der beiden Länder seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar. Mit ihm soll die globale Nahrungskrise gelindert werden. Seit Beginn des Kriegs waren in einigen der ärmsten Länder der Welt die Nahrungsmittelpreise in die Höhe geschnellt, nach dem Abschluss des Abkommens aber wieder rasant gesunken.
A.Moore--AT