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Russland nimmt südukrainische Stadt Mykolajiw unter heftigen Beschuss
Die russische Armee hat die südukrainische Stadt Mykolajiw am Wochenende unter heftigen Beschuss genommen. Die Stadt sei am Sonntagmorgen "massiv" und "wahrscheinlich so stark wie nie" beschossen worden, erklärte der Bürgermeister Oleksandr Senkewytsch im Online-Dienst Telegram. Unter den Toten in Mykolajiw ist ein bekannter ukrainischer Getreidehändler. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte indes die Einwohner der östlichen Region Donezk auf, ihre Heimat aufgrund der russischen Angriffe zu verlassen.
Nach ukrainischen Angaben wurde in der Regionalhauptstadt Mykolajiw eine Reihe von Wohngebäuden beschädigt, mehrere Brände brachen aus. In einem Krankenhaus erlagen zwei Menschen ihren Verletzungen nach einem Angriff auf eine Bushaltestelle am Freitag. Die Zahl der Todesopfer dieses Angriffs stieg damit auf sieben.
Bei den Angriffen auf Mykolajiw wurde einer der wichtigsten Getreidehändler der Ukraine getötet. Oleksij Wadaturskyj, Eigentümer des Unternehmens für Getreidelogistik Nibulon, kam nach Angaben ukrainischer Behörden zusammen mit seiner Ehefrau Raissa in seinem Wohnhaus ums Leben.
Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak schrieb im Online-Dienst Telegram, Wadaturskyj sei absichtlich getötet worden. Das Geschoss habe das Schlafzimmer des Wohnhauses der Familie getroffen, es gebe "keine Zweifel": "Wadaturskyj war das Ziel."
Am 22. Juli hatten Russland und die Ukraine ein von der UNO und der Türkei vermitteltes Abkommen zum Export von in ukrainischen Häfen blockiertem Getreide unterschrieben.
Die südliche Regionalhauptstadt Mykolajiw war in den vergangenen Wochen fast täglich angegriffen worden. In der von Russland eroberten benachbarten Region Cherson hatte die ukrainische Armee zuletzt eine Gegenoffensive gestartet.
Auch andere ukrainische Städte im Süden, Osten und Nordosten des Landes wie Charkiw und Slowjansk wurden am Wochenende beschossen. Ein Vertreter der nordöstlichen Region Sumy meldete, dass bei etwa 50 Raketenangriffen am Samstagabend ein Mensch getötet und zwei verwundet worden seien.
Präsident Selenskyj rief die Bewohner der Region Donezk auf, das Gebiet zu verlassen. "Bitte, evakuieren Sie", sagte er am Samstagabend in einer Videoansprache mit Blick auf die russischen Angriffe. "In dieser Phase des Krieges ist der Terror eine der Hauptwaffen Russlands," warnte Selenskyj. Die Behörden würden bei der Evakuierung helfen, versprach er.
Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk hatte zuvor die verpflichtende Evakuierung der gesamten Bevölkerung der Region Donezk angekündigt. Die Einwohner müssten sich vor der Heizsaison in Sicherheit bringen, da die Gasnetze zerstört seien, sagte sie im ukrainischen Fernsehen. Im Moment versucht die russische Armee, die Ostukraine komplett einzunehmen, insbesondere die Region Donezk.
Die Ukraine bestritt unterdessen, am Sonntagmorgen den Generalstab der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol angegriffen zu haben. Die russischen Anschuldigungen seien "eine absichtliche Provokation", sagte ein Sprecher der Regionalverwaltung von Odessa in einem auf Telegram veröffentlichten Video. "Die Befreiung der besetzten ukrainischen Krim wird auf eine andere, viel effektivere Weise erfolgen."
Nach dem Angriff auf ein Gefängnis in der Ostukraine mit dutzenden Toten hatte die Ukraine die UNO und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zur Überwachung der Lage aufgefordert. Präsident Selenskyj hatte an beide Organisationen appelliert, "das Leben von Hunderten von ukrainischen Kriegsgefangenen" zu schützen. Laut ukrainischen Angaben ist Russland für den Angriff verantwortlich, Moskau bestreitet dies.
In der Haftanstalt in Oleniwka im von pro-russischen Separatisten besetzten Osten der Ukraine befanden sich viele Kämpfer des ukrainischen Asow-Regiments, das sich im Mai den russischen Truppen ergeben hatte. Laut Selenskyj wurden bei dem Angriff am Freitag mehr als 50 ukrainische Kriegsgefangene getötet, Moskau sprach am Samstag von 50 Toten und 73 Schwerverletzten.
Auch am Sonntag erhielt das IKRK nach eigenen Angaben zunächst keinen Zugang zu der Haftanstalt. Am Samstagabend hatte das russische Verteidigungsministerium einen Besuch von UN- und IKRK-Vertretern zugesagt.
A.Clark--AT