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Krise in Madagaskar: Spekulationen über Flucht des Präsidenten ins Ausland
Nach den wochenlangen regierungskritischen Protesten in Madagaskar wird in dem ostafrikanischen Land über eine mögliche Flucht des unter Druck geratenen Präsidenten Andry Rajoelina spekuliert. Der französische Sender RFI berichtete am Montag, dass der Staatschef an Bord einer französischen Militärmaschine nach Le Réunion geflogen und von dort aus an mit seiner Familie an einen unbekannten Ort weitergereist sei. Die französische Regierung gab auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP dazu zunächst keine Stellungnahme ab.
In der Hauptstadt Antananarivo schlossen sich Soldaten tausenden Demonstranten an, die in Erwartung eines baldigen Rücktritts des Präsidenten auf den Straßen feierten. Für den Abend war eine mit Spannung erwartete Fernsehansprache des Staatschefs geplant, die jedoch auf 21.30 Uhr (Ortszeit, 20.30 Uhr MESZ) verschoben wurde, nachdem Soldaten nach Angaben der Präsidialamts in die Büros des staatlichen Fernsehsenders TVM eingedrungen waren. Rajoelina hatte sich zuletzt am Mittwoch in der Öffentlichkeit gezeigt.
Am Wochenende hatte sich eine wichtige Armee-Einheit auf die Seite der Demonstranten gestellt und einen neuen Militärchef installiert. Rajoelina sprach von einem "Versuch der illegalen Machtübernahme".
Die Proteste in Madagaskar hatten am 25. September begonnen. Auslöser waren regelmäßige Stromausfälle von mehr als zwölf Stunden pro Tag sowie Probleme bei der Wasserversorgung. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Proteste mindestens 22 Menschen getötet und mehr als einhundert weitere verletzt. Rajoelina sprach von zwölf Toten, bei ihnen handele es sich um "Plünderer" und "Einbrecher".
Die unter dem Namen "Gen Z" zusammengeschlossene Protestbewegung fordert den Rücktritt Rajoelinas, die Auflösung des Senats, des Verfassungsgerichts und der Wahlkommission sowie die strafrechtliche Verfolgung des Geschäftsmanns Mamy Ravatomanga, der Rajoelinas wichtigster Geldgeber sein soll.
Das vor der afrikanischen Ostküste liegende Madagaskar gehört trotz seiner vielen Rohstoffe zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast 75 Prozent der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze.
D.Johnson--AT