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Ukraine: Sjewjerodonezk "großteils" unter russischer Kontrolle
Die heftig umkämpfte ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk ist nach Angaben des zuständigen ukrainischen Regionalgouverneurs mittlerweile "weitgehend" unter russischer Kontrolle. "Das Industriegebiet gehört noch immer uns, dort gibt es keine Russen", erklärte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, am Mittwoch im Online-Dienst Telegram. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in einem am Abend ausgestrahlten Video von schweren Kämpfe in der Stadt.
"Dies ist eine sehr harte, sehr schwierige Schlacht, wahrscheinlich eine der schwierigsten in diesem Krieg", sagte Selenskyj. "Wir verteidigen unsere Positionen und fügen dem Feind große Verluste zu." In Sjewjerodonezk entscheide sich "in vielerlei Hinsicht das Schicksal unseres Donbass", fügte er hinzu.
"Die Russen schießen auf alles, sie zerstören alle Häuser in Sjewjerodonezk, mit Panzern, mit Artillerie", erklärte Gajdaj. Die nahe gelegene Stadt Lyssytschansk werde hingegen noch vollständig von der ukrainischen Armee kontrolliert, sei aber "starken und chaotischen" Bombardements ausgesetzt. Den russischen Truppen warf er vor, "absichtlich" auf Krankenhäuser und Zentren für die Verteilung humanitärer Hilfe zu zielen.
Zuvor hatte der Regionalgouverneur die Verteidigung von Sjewjerodonezk als "Mission Impossible" bezeichnet. Die ukrainischen Streitkräfte müssten sich möglicherweise zurückziehen. Gajdaj betonte jedoch, ein Rückzug aus Sjewjerodonezk würde nicht bedeuten, dass die Ukraine die Stadt endgültig aufgebe.
Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte am Dienstag erklärt, die russischen Streitkräfte hätten die Wohngebiete der Stadt voll unter Kontrolle. Die russische Armee versuche nun noch, das Industriegebiet und die umliegenden Siedlungen zu erobern.
Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind die letzten Städte der Region Luhansk, die Russland noch nicht erobert hat. Ihre Einnahme würde Moskau den Vormarsch auf die Großstadt Kramatorsk in der Region Donezk ermöglichen. Der Kreml käme damit seinem Ziel der vollständigen Eroberung des Donbass einen entscheidenden Schritt näher.
Tausende Zivilisten waren in den vergangenen Wochen aus Sjewjerodonezk und Lyssytschansk geflohen. Viele sind jedoch auch geblieben, vor allem Ältere, Menschen, die sich um sie kümmern, und Menschen, die nicht die Mittel haben, woanders hinzugehen.
"Jeden Tag gibt es Bombenangriffe, jeden Tag brennt etwas", sagte der Rentner Juri Krassnikow aus Lyssytschansk. "Ich habe versucht, zu den Stadtbehörden zu gehen, aber es ist niemand da, alle sind weggerannt (...) Wo soll ich mit 70 Jahren hin?"
Laut einem Anwalt des ukrainischen Magnaten Dmytro Firtasch haben sich rund 800 Zivilisten in den Schutzräumen der Asot-Chemiefabrik in Sjewjerodonezk verschanzt. Die Anlage gehört Firtaschs Unternehmen DF Group. "Unter diesen 800 Zivilisten befinden sich etwa 200 der 3000 Beschäftigten der Fabrik und etwa 600 Einwohner von Sjewjerodonezk", erklärte der US-Anwalt Lanny Davis. Die Angestellten seien geblieben, um die "hochexplosiven Chemikalien" auf dem Gelände zu sichern.
A.Taylor--AT