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Aktivisten: Syrer protestieren in mehreren Städten wegen Video von Angriff auf alawitischen Schrein
In Syrien ist es am Mittwoch laut Aktivisten zu wütenden Protesten mit einem Toten wegen eines Videos gekommen, das einen Angriff auf einen alawitischen Schrein in Nordsyrien zeigt. An mehreren Orten an der Küste und im Zentrum Syriens seien Tausende Alawiten auf die Straße gegangen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Am selben Tag kam es den Aktivisten und dem Innenministerium der Übergangsregierung zufolge in der westlichen Provinz Tartus bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Männern zu 17 Toten.
Bei den von den Protesten betroffenen Orten handelt es sich den Aktivisten zufolge um Hochburgen der alawitischen Minderheit, welcher auch der gestürzte Präsident Baschar al-Assad angehört. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP von Protesten in Tartus, Banias, Latakia und Dschableh an der Mittelmeerküste. Einige schätzten die Anzahl der Teilnehme auf tausende.
Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London meldete auch Proteste in der zentralen Stadt Homs. Dort sei ein Demonstrant getötet worden, als Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten, um die Menschenmenge zu zerstreuen, erklärte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Fünf weitere Teilnehmer seien verletzt worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana war um 18.00 (Ortszeit, 16.00 Uhr MEZ) eine Ausgangssperre verhängt wurde. Auch in Kardahar, der Heimatstadt Assads, sei es zu Demonstrationen gekommen.
In Dschableh wurde laut Sana ebenfalls eine Ausgangssperre verhängt. Aufnahmen aus der Stadt zeigten zahlreiche Menschen auf den Straßen. Viele skandieren Slogans, beispielsweise: "Alawiten, Sunniten, wir wollen Frieden". Auf einem Plakat war zu lesen: "Nein zum Niederbrennen der heiligen Stätten und zur religiösen Diskriminierung, (...) ja zu einem freien Syrien".
Auslöser der Proteste war der Beobachtungsstelle zufolge ein Video, welches einen "Angriff von Kämpfern" auf einen wichtigen alawitischen Schrein in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo zeigt. Demnach wurden bei dem Angriff fünf Menschen getötet, das Heiligtum wurde in Brand gesetzt.
Rahman sagte, das Datum der Aufnahme sei unbekannt. Er betonte, das Video sei Anfang Dezember gefilmt worden, als die von der islamistischen Gruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS) angeführten Milizen die Kontrolle über wichtige Städte, darunter Aleppo, übernommen hatten, was schließlich zum Sturz Assads führte.
AFP konnte das Filmmaterial und den Zeitpunkt der Aufnahme zunächst nicht unabhängig prüfen. Die neuen syrischen Behörden erklärten indes, das Videomaterial sei "alt" und stamme "aus der Zeit der Befreiung" Aleppos unter der HTS-Miliz. Das Innenministerium erklärte, hinter dem Angriff steckten "unbekannte Gruppen" und die "Wiederveröffentlichung" des Videos diene dazu, "in dieser sensiblen Phase Unruhe in der syrischen Bevölkerung zu stiften".
Kämpfer unter Führung der HTS-Miliz hatten am 8. Dezember Damaskus erobert und die jahrzehntelange Herrschaft von Assad in Syrien beendet. Assad, dem Entführung, Folter und Ermordung von Andersdenkenden vorgeworfen werden, floh nach Russland. Er stellte sich stets als Beschützer der Minderheiten im mehrheitlich sunnitischem Syrien dar.
In Latakia prangerte der 30-jährige Demonstrant Ghidak Majja "Verstöße" gegen die Alawiten an. "Im Moment (...) hören wir auf die Rufe nach Ruhe", sagte er und warnte zugleich, dass bei zuviel Druck auf die alawitische Gemeinschaft das Risiko "einer Explosion" bestehe.
Unterdessen kam es in der Provinz Tartus laut Aktivisten zu Zusammenstößen mit 17 Toten. Wie die Beobachtungsstelle mitteilte, wurden in der Ortschaft Chirbet al-Maasa "14 Mitglieder der allgemeinen Sicherheitskräfte" der neuen syrischen Regierung sowie "drei bewaffnete Männer" getötet, nachdem die Sicherheitskräfte zuvor versucht hatten, einen Offizier Assads festzunehmen.
Der Offizier soll den Angaben zufolge zu den Verantwortlichen für die Verbrechen im berüchtigten Saidnaja-Gefängnis gehörden. Er habe "Todesurteile und willkürliche Urteile gegen Tausende von Gefangenen verhängt", hieß es weiter.
Der neue syrische Innenminister Mohammed Abdel Rahman erklärte, es seien "14 Mitarbeiter des Innenministeriums getötet und zehn weitere verletzt" worden, als sie in Tartus "in einen heimtückischen Hinterhalt von Überresten des verbrecherischen Regimes" gerieten, "während sie ihre Aufgaben zur Aufrechterhaltung der Sicherheit erfüllten". Die Provinz Tartus ist ebenfalls eine Hochburg der alawitischen Minderheit.
Nach dem Sturz Assads hatte die HTS-Miliz zahlreiche Häftlinge aus den Gefängnissen befreit. Zehntausende Menschen werden jedoch immer noch vermisst. Das Saidnaja-Gefängnis steht symbolhaft für die Brutalität der jahrzehntelangen Assad-Regierung.
Die Zusammenstöße in Tartus hätten begonnen, als mehrere Bewohnern sich weigerten, ihre Häuser durchsuchen zu lassen, erklärte die Beobachtungsstelle mit Sitz in London weiter. Der Bruder des Offiziers und bewaffnete Männer hätten die Sicherheitskräfte abgefangen und "auf eines der Patrouillenfahrzeuge gezielt", wobei es Tote gab, erklärte die Beobachtungsstelle weiter. Dutzende Menschen seien festgenommen worden.
T.Sanchez--AT