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"Kann es nicht begreifen": Hülkenberg fährt aufs Formel-1-Podest
"Unbegreiflich" und "historisch": Nico Hülkenberg hat in der Formel 1 für eine Sensation gesorgt und ist im 239. Grand Prix seiner Karriere erstmals auf das Podest gefahren. 5593 Tage nach seinem Debüt in der Königsklasse raste der Emmericher beim chaotischen Großen Preis von Großbritannien im Sauber von Startplatz 19 auf den dritten Rang und feierte den größten Erfolg seiner Laufbahn. Hülkenberg, der den Rekord für die meisten Rennen ohne Top-3-Platzierung hält, profitierte im Regenchaos von Silverstone von einer klugen Reifenwahl und zeigte zudem eine fehlerfreie Leistung. Vize-Weltmeister Lando Norris im McLaren gewann das Rennen vor seinem Teamrivalen Oscar Piastri.
"Ich kann nicht begreifen, was wir gerade geschafft haben", funkte Hülkenberg nach der Zieldurchfahrt mit zittriger Stimme an seine Box, "oh mein Gott." Er habe es während des Rennens nicht an sich herangelassen, sagte er wenig später im Interview, "aber wir sind nicht zusammengebrochen unter dem Druck."
Teamchef Jonathan Wheatley bezeichnete das Ergebnis bei Sky als "überfälligstes Podium der Formel-1-Historie, Nico hat ein Meisterstück abgeliefert, eine unglaubliche Performance." Und diese hatte auch Symbolcharakter: Für Hülkenberg war es die vierte Punkte-Platzierung in Folge im Sauber, es geht bergauf für den Schweizer Rennstall, der im kommenden Jahr zum Audi-Werksteam wird.
Vize-Weltmeister Norris feierte im typisch-britischen Schmuddelwetter den ersehnten ersten Heimsieg und untermauerte seine Titelambitionen. Dem 25-Jährigen gelang sein vierter Saisonsieg vor seinem australischen Teamkollegen Piastri, der trotz einer Zehn-Sekunden-Strafe Zweiter wurde und den zweiten McLaren-Doppelsieg nacheinander perfekt machte. Die beiden Teamkollegen trennen in der Fahrer-WM nun acht Punkte. Piastri führt die Wertung an.
Weltmeister Max Verstappen muss seine Hoffnungen auf die erfolgreiche Titelverteidigung derweil wohl endgültig begraben. Der Pole-Setter fiel im Red Bull nach einem Dreher auf rutschiger Strecke weit zurück und wurde Fünfter. Rekordweltmeister Lewis Hamilton musste bei seinem Lieblingsrennen das Ende seiner Super-Serie hinnehmen. Der siebenmalige Champion, der seit 2014 beim Heimspiel stets auf dem Podest gestanden hatte, scheiterte bei der Jagd auf Hülkenberg und wurde im Ferrari Vierter. Auf ein Top-3-Ergebnis muss Hamilton nun seit 14 Grand Prix warten.
Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte für das zwölfte Saisonrennen "scheußlich-englisches Wetter" befürchtet - und sollte recht behalten. Schon eine halbe Stunde vor dem Start gab es an einem verregneten Sonntag einen weiteren, kurzen Wolkenbruch, der zu Rennbeginn zu teils nassem Asphalt führte.
Als die Ampel erlosch, fehlten in George Russell (Mercedes) und Charles Leclerc (Ferrari) zwei Top-Autos in der Startaufstellung. Das Duo war in der Einführungsrunde in die Box gefahren, wechselte von Intermediates auf Slicks und erhoffte sich auf einer abtrocknenden Strecke einen taktischen Vorteil. Der Plan sollte fehlschlagen.
Pole-Setter Verstappen ließ beim Start nichts anbrennen und behauptete zunächst die Führung vor Piastri. Nach einer hektischen von mehreren virtuellen Safety-Car-Phasen geprägten Anfangsphase zog der Australier in der neunten Runde aber vorbei. Am Himmel kündigte sich neues Ungemach in Form dunkler Wolken an - mit Folgen für Verstappen. Im Platzregen fehlte Verstappen der Grip, der Weltmeister rutschte im Duell mit Verfolger Norris aufs Gras und büßte die nächste Position ein.
Der Regen wurde immer heftiger und löste eine Safety-Car-Phase aus, an deren Ende wohl Verstappens letzte Titelträume platzten. Erst wurde der Niederländer beim Re-Start von Piastri übertölpelt, dann drehte sich der Red Bull beim Herausbeschleunigen. Verstappen fiel auf den zehnten Platz zurück. Piastri erhielt für seine Fahrweise unter Gelber Flagge eine Zeitstrafe, er hatte Verstappen ausgebremst.
Das Rennen blieb hektisch. Hülkenberg, der durch die richtigen Entscheidungen im Reifenpoker nach vorn gespült worden war, überholt zunächst Lance Stroll im Aston Martin. Lediglich Hamilton konnte dem Deutschen noch gefährlich werden. Der Brite eilte heran, am Ende erfüllte sich aber Hülkenberg seinen Traum.
M.Robinson--AT