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Gewalttätige Proteste von Sadr-Anhängern im Irak flammen neu auf
In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind die Proteste von Anhängern des Schiitenführers Moktada Sadr am Dienstag neu aufgeflammt. Bei den von Sadrs Rückzugankündigung aus der Politik ausgelösten Protesten starben seit Montag nach Angaben von Rettungskräften 23 seiner Anhänger, 380 weitere Menschen wurden verletzt. In der Nacht auf Dienstag war nach Angaben aus Sicherheitskreisen das Regierungsviertel Bagdads beschossen worden.
Mindestens sieben Mal sei die sogenannte Grüne Zone im Zentrum der Stadt beschossen worden, die Sicherheitskräfte dort hätten jedoch nicht zurückgeschossen. Wer geschossen habe, sei bisher unklar.
Die Auseinandersetzungen zwischen tausenden Sadr-Anhängern, der irakischen Armee und Anhängern einer rivalisierenden, mit dem Iran verbündeten schiitischen Gruppe hatten am Montag begonnen, nachdem Sadr seinen politischen Rückzug angekündigt hatte. Daraufhin besetzten tausende seiner Anhänger ein Regierungsgebäude in der Grünen Zone Bagdads.
AFP-Journalisten berichteten am Dienstag über Schüsse automatischer Waffen und Raketen in der Grünen Zone, die in ganz Bagdad zu hören gewesen seien. Die irakische Regierung gab bekannt, dass eine seit Montagabend geltende Ausgangssperre auch am Dienstag in Kraft bleibe. Schulen, öffentliche Verwaltungsgebäude und Geschäfte blieben geschlossen.
Der Irak steckt seit Monaten in einer politischen Krise. Seit der Parlamentswahl im Oktober konnte noch keine neue Regierung gebildet werden - unter anderem, weil sich Sadrs Block mit einer rivalisierenden Schiiten-Gruppe darüber streitet, wer den nächsten Ministerpräsidenten stellt.
Seit fast einem Monat halten Sadrs Anhänger die Umgebung des irakischen Parlaments in Bagdad besetzt. In der vergangenen Woche blockierten sie kurzzeitig den Zugang zum höchsten Gericht des Landes. Auf Plakaten forderten sie die Auflösung des Parlaments, Neuwahlen sowie den Kampf gegen Korruption.
Seit der US-geführten Invasion im Jahr 2003 wird der Irak nach einem konfessionellen Proporzsystem regiert, nach dem das Amt des Ministerpräsidenten den Schiiten vorbehalten ist. Die Sadr-Bewegung war bei der Parlamentswahl im Oktober zwar stärkste Kraft geworden, konnte aber keine Mehrheit bilden. Im Juni dann waren Sadrs Abgeordnete geschlossen zurückgetreten.
F.Ramirez--AT