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Mindestens 32 Tote und 159 Verletzte bei erneuten Kämpfen in Libyen
Bei erneuten Kämpfen zwischen Anhängern rivalisierender Regierungen in Libyen sind mindestens 32 Menschen getötet worden. Nach Angaben des Gesundheitsministerium wurden bei den Kämpfen in der Hauptstadt Tripolis am Samstag zudem 159 Menschen verletzt. Die Kämpfe hatten am Freitagabend begonnen und sich am Samstag auf weitere Stadtviertel ausgebreitet, wie ein AFP-Korrespondent vor Ort berichtete.
Bei den Gefechten seien auch mindestens sechs Krankenhäuser beschädigt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Krankenwagen konnten demnach nicht in die umkämpften Stadtteile vordringen. Der Reporter der Nachrichtenagentur AFP schilderte erhebliche Sachschäden. So brannten mehrere Autos aus, Gebäude wurden durch Kugeln beschädigt oder in Brand gesteckt. Über Tripolis stiegen graue Rauchsäulen auf.
Seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 wird Libyen von Gewalt und Machtkämpfen erschüttert. Seit März kämpfen zwei rivalisierende Regierungen um die Macht.
Im Mai kam es dabei nach einem gescheiterten Putschversuch in Tripolis erstmals zu schweren Kämpfen. Auslöser war der Versuch des vom Parlament in Tobruk ernannten Ministerpräsidenten Fathi Baschagha, die international anerkannte Übergangsregierung unter Ministerpräsident Abdelhamid Dbeibah aus der Hauptstadt zu vertreiben.
Ursprünglich sollten in Libyen in Dezember 2021 Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfinden. Sie wurden jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Parlament in Tobruk berief im Februar Ex-Innenminister Baschagha an die Spitze einer Übergangsregierung, um den seit Anfang 2021 amtierenden Regierungschef Dbeibah abzulösen. Dieser will die Macht jedoch nur an eine vom Volk gewählte Regierung abtreten.
Für die neuerlichen Kämpfe machten sich beide Seiten am Samstag gegenseitig verantwortlich. Dbeibahs Regierung in Tripolis warf Baschagha vor, "im letzten Moment" aus Verhandlungen über Wahlen zum Jahresende ausgestiegen zu sein. Kurz darauf hätten die Kämpfe begonnen. Baschagha bestritt, dass es diese Gespräche gegeben habe. Er warf seinem Gegner vor, sich "an die Macht zu klammern".
Von Dbeibah wurde am Samstag ein Video veröffentlicht. Darin ist zu sehen, wie er Kämpfer grüßt, die sich um ihn geschart haben.
Die jüngsten Kämpfe vertiefen die Furcht, dass sich die politische Krise zu einem größeren Konflikt auswachsen könnte. Die UN-Mission in Libyen rief zur "sofortigen Einstellung" der Kämpfe auf und verurteilte, dass "in von Zivilisten bewohnten Vierteln" geschossen werde. Die US-Botschaft in Tripolis äußerte sich "sehr besorgt" über die Gewalt.
Auch der Experte Emadeddin Badi von der US-Denkfabrik Atlantic Council warnte vor einer Eskalation. "Kriege in den Städten" mit ihren Verheerungen für die Menschen und die zivile Infrastruktur hätten ihre "eigene Logik", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Selbst wenn der aktuelle Konflikt nicht lange dauere, werde er "sehr zerstörerisch" sein. Im Juli waren bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen in Tripolis 16 Menschen getötet worden, darunter ein Kind.
Der Libyen-Experte Wolfram Lacher von der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik schrieb am Sonntag im Onlinedienst Twitter, Libyens wechselnde Allianzen seien eine "unendliche Geschichte". "Die bewaffneten Gruppen, die sich bei den gestrigen Kämpfen in Tripolis auf derselben Seite befanden, werden sich morgen um Territorium, Positionen und Budgets streiten", merkte der Politikwissenschaftler an. Die Fraktionen, die "gestern für Dbeibah" gewesen seien, würden ihn "morgen herausfordern".
P.Smith--AT