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Bürgermeister: Gefahr einer Atomkatastrophe in Saporischschja wächst jeden Tag
Die Lage rund um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja wird nach Angaben des örtlichen Bürgermeisters immer brenzliger. Das Risiko einer atomaren Katastrophe im größten Kernkraftwerk Europas "wächst jeden Tag", sagte der Bürgermeister von Enerhodar, wo sich das Akw befindet, am Sonntag in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. Die russische Armee beschieße "die Infrastruktur, die den sicheren Betrieb des Kraftwerks sicherstellt", fügte Dmytro Orlow hinzu.
Die russische Armee hält das Atomkraftwerk im Südosten der Ukraine seit März besetzt, in den vergangenen Tagen wurde es wiederholt beschossen. Kiew und Moskau machen sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Der Raketenbeschuss weckt Befürchtungen einer Katastrophe am größten Atomkraftwerk Europas, der UN-Sicherheitsrat hielt eine Dringlichkeitssitzung dazu ab.
Nach den ersten Angriffen am 5. August musste ein Reaktor des Akw Saporischschja heruntergefahren werden. Bei Angriffen am Donnerstag wurden eine Pumpstation sowie Strahlungssensoren beschädigt. Die ukrainischen Behörden und westliche Verbündete fordern eine entmilitarisierte Zone rund um das Akw und einen Abzug der russischen Truppen.
"Was da passiert, ist regelrechter nuklearer Terrorismus", kritsierte Enerhodars Bürgermeister Orlow aus der Stadt Saporischschja, die weiterhin unter ukrainischer Kontrolle ist. "Das kann jederzeit unvorhergesehen enden." Die Feuerschutzregeln würden immer wieder verletzt und die Lage "heizt sich weiter auf".
"Die Invasoren terrorisieren weiter die Zivilbevölkerung und das Atomkraftwerk", kritisierte der Bürgermeister. Jeden Tag und jede Nacht werde es aus den besetzten Dörfern mit Mörsergranaten beschossen. "Die Lage ist riskant und was am meisten Sorgen erregt, ist dass es keinen Deeskalationsprozess gibt", sagte Orlow AFP.
Der Bürgermeister hatte Enerhodar bereits im April verlassen. Nach seinen Angaben ist die Stadt am Wochenende erstmals beschossen worden. Die Zahl derjenigen, die die Stadt verlassen wollten, sei dramatisch gestiegen. In der "nahen Zukunft" gebe es möglicherweise nicht mehr genügend Personal für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Akw Saporischschja.
Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstag in seiner täglichen Videoansprache schwere Vorwürfe an Russland gerichtet. Die "Besatzer" nutzten das Akw Saporischschja für eine "Erpressung", indem sie "auf extrem zynische Weise" Angst verbreiteten, sagte der Präsident. Die russischen Truppen "verstecken" sich hinter dem Akw, um die ukrainisch kontrollierten Städte Nikopol und Marhanez zu beschießen.
Jeder Tag, an dem das russische Kontingent auf dem Gelände des Akw verbleibe, erhöhe "die nukleare Bedrohung für Europa", warnte Selenskyj. Er forderte "neue Sanktionen" gegen Russland mit dem Ziel, die russische Atomindustrie zu "blockieren".
N.Mitchell--AT