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Kiew wirft Russland einen Tag nach Getreide-Deal Angriff auf Hafen von Odessa vor
Einen Tag nach der Unterzeichnung eines Abkommens zum Getreide-Export aus der Ukraine hat Russland nach Angaben Kiews den Hafen von Odessa unter Beschuss genommen. "Wir haben zwei Raketen abgeschossen, zwei weitere haben das Hafengelände getroffen", sagte der ukrainische Militärsprecher Jurij Ignat. In dem getroffenen Hafengelände gebe es "selbstverständlich Getreide". Die Attacke wurde international verurteilt. Moskau bestritt nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums, den Angriff ausgeführt zu haben.
Odessa ist die größte Stadt und der wichtigste Hafen an der Schwarzmeerküste. Sie ist für die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte von entscheidender Bedeutung. Nach Angaben von Gouverneur Maksym Martschenko wurden mehrere Menschen bei dem Angriff am Samstag verletzt. Genauere Angaben machte er nicht. Zudem sei die Hafeninfrastruktur beschädigt worden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, sich routinemäßig nicht an Abmachungen zu halten. Der Beschuss des Hafens in Odessa beweise "eine Sache: Egal was Russland sagt und verspricht, es wird Wege finden, es nicht umzusetzen", sagte Selenskyj nach Angaben seines Büros bei einem Gespräch mit US-Abgeordneten.
Aus Moskau gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorfall in Odessa, nach Angaben Ankaras wies Russland aber die Verantwortung für den Raketenbeschuss von sich. "Die Russen haben uns mitgeteilt, dass sie absolut nichts mit diesem Angriff zu tun haben und dass sie sich die Sache sehr genau ansehen", sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar. Der Vorfall "macht uns wirklich besorgt", fügte er hinzu.
Die UNO und die Türkei hatten monatelang zwischen Kiew und Moskau vermittelt, um eine Wiederaufnahme der seit Kriegsbeginn blockierten ukrainischen Getreidelieferungen zu erreichen. Am Freitag einigten sich Russland und die Ukraine schließlich und unterzeichneten ein Abkommen, das abgesicherte Transitrouten im Schwarzen Meer für die Getreidelieferungen vorsieht. Die Kriegsparteien sagten zu, keine Schiffe auf diesen Routen anzugreifen. Nach russischen Angaben sollten die Lieferungen "in den nächsten paar Tagen" beginnen.
Mit der Attacke habe Russlands Präsident Wladimir Putin "UN-Generalsekretär António Guterres und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die große Anstrengungen unternommen haben, um eine Einigung zu erzielen, ins Gesicht gespuckt", erklärte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko.
Das Abkommen soll unter anderem die Ausfuhr der geschätzten 20 bis 25 Millionen Tonnen Weizen ermöglichen, die durch den seit Ende Februar dauernden Krieg in ukrainischen Silos feststecken. Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Getreideproduzenten.
UN-Generalsekretär Guterres verurteilte den Beschuss des Hafens von Odessa am Samstag "unmissverständlich". Die vollständige Umsetzung des Abkommens sei "zwingend erforderlich", erklärte er. Die britische Regierung nannte die Attacke "absolut entsetzlich".
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bezeichnete es als "besonders verwerflich", dass Russland einen Tag nach der Einigung von Istanbul für den Getreideexport entscheidende Infrastruktur angreife. Dies zeige "erneut Russlands völlige Missachtung des Völkerrechts und seiner Verpflichtungen", erklärte er auf Twitter.
Auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) äußerte sich besorgt über den Raketenangriff. Es wäre "gut und wichtig, wenn Getreide übers Schwarze Meer rauskommt", schrieb er auf Twitter. Es seien aber "permanente Alternativ-Route für ukrainisches Getreide" nötig.
Auch aus anderen Teilen der Ukraine wurden am Samstag russische Angriffe gemeldet. In der zentralukrainischen Region Kirowograd wurden dabei nach Angaben des dortigen Gouverneurs Andrij Raikowytsch mindestens drei Menschen getötet, darunter ein Soldat. Die russische Armee nahm auch die Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine erneut unter Beschuss. Eine Frau wurde dabei nach Angaben des Präsidialamts in Kiew verletzt.
Das US-Außenministerium teilte unterdessen mit, dass "kürzlich" zwei US-Bürger in der umkämpften Donbass-Region ums Leben gekommen seien. Informationen zu den Todesumständen wurden zunächst nicht bekannt.
E.Hall--AT