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Kinderhilfswerk sieht Interessen junger Menschen systematisch vernachlässigt
In Sachen Generationengerechtigkeit hat das Deutsche Kinderhilfswerk der Politik und der Gesellschaft ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Politische Debatten in Deutschland seien durch eine "geradezu systematische Vernachlässigung der Belange junger Menschen" gekennzeichnet, erklärte Präsident Thomas Krüger am Freitag zur Veröffentlichung des neuen Kinderreports seiner Organisation. Halte diese Entwicklung an, stehe das Land "vor einer Zerreißprobe".
Das Kinderhilfswerk berief sich bei seiner Diagnose unter anderem auf zwei Umfragen für seinen Report unter Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen vom Januar. Demnach haben 83 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren den Eindruck, die Politik der vergangenen Jahre habe ihre Interesse eher wenig oder gar nicht berücksichtigt. Diese Auffassung wird auch von 79 Prozent der parallel befragten Erwachsenen in Deutschland geteilt.
Laut Kinderhilfswerk dürfte es sich unter anderem um ein Ergebnis der Politik in der Coronapandemie handeln. Dabei sei der Staat der Verpflichtung, bei allen die Kinder betreffenden Maßnahmen deren Wohl vorrangig zu berücksichtigen, "nicht annähernd" nachgekommen.
Die Organisation verwies zugleich aber auch auf die Konsequenzen so unterschiedlicher Entwicklungen wie des globalen Klimawandels, einer zunehmenden sozialen Spaltung der deutschen Gesellschaft und einer verzögerten Digitalisierung. Kinder und Jugendliche müssten mit den Auswirkungen aktueller politischer Entscheidungen lange leben. Es sei dringend ein Umsteuern erforderlich, "um nicht langfristig das Vertrauen junger Menschen in die Demokratie aufs Spiel zu setzen".
Das Kinderhilfswerk plädierte als Gegenmaßnahme unter anderem für eine Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Dies stoße auch bei den befragten Kindern und Jugendlichen auf große Zustimmung, 94 Prozent seien dafür. Ein weiterer zentraler Aspekt sei die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Die Beteiligung an Wahlen trage am Ende "entscheidend zur Umsetzung des Rechts auf Beteiligung von Jugendlichen und der Berücksichtigung ihrer Interessen" bei.
Darüber hinaus sprach sich die Organisation unter anderem für ein flächendeckendes Netzwerk an Kinder- und Jugendbeauftragten von der Kommunal- bis hin zur Bundesebene aus. Diese Anlaufstellen würden junge Menschen künftig mit eine "durchsetzungsfähigen Stimme" ausstatten. Hilfreich sein könne außerdem die Schaffung eines Beirats für Kinder- und Jugendbeteiligung bei der Bundesregierung.
E.Flores--AT