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Mindestens 20 Tote bei Anschlag in umkämpftem Norden Syriens
Bei einem Anschlag mit einer Autobombe sind im Norden Syriens laut Regierung mindestens 20 Menschen getötet worden. Das Büro des syrischen Übergangspräsidenten Ahmad al-Scharaa erklärte am Montag, es handele sich um einen "verräterischen, terroristischen Bombenanschlag gegen Zivilisten" in der Stadt Manbidsch im zwischen kurdischen und pro-türkischen Gruppen umkämpften Norden des Landes. Bisher hat niemand das Attentat für sich reklamiert.
Al-Scharaas Büro kündigte an, die Täter würden "verfolgt und zur Rechenschaft gezogen". Sie würden "auf das härteste bestraft".
Auch das kurdisch geführte Militärbündnis Demokratische Kräfte Syriens (SDF) verurteilte den Anschlag.
Die syrische Zivilschutzorganisation Weißhelme bezeichnete den Anschlag in Manbidsch laut der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana als "Massaker". Die Autobombe sei explodiert, als ein Fahrzeug mit Landarbeitern vorbeifuhr. Dabei seien 14 Frauen und ein Mann getötet worden, hieß es zunächst, bevor die Opferzahl nach oben korrigiert wurde. 15 weitere Frauen wurden Sana zufolge verletzt, einige von ihnen lebensbedrohlich.
Erst am Samstag hatte es einen Autobombenangriff im unweit der türkischen Grenze gelegenen Manbidsch gegeben. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden dabei mindestens neun Menschen getötet, darunter pro-türkische Kämpfer.
Der erneute Anschlag traf die Region einen Tag, bevor Übergangspräsident al-Scharaa zu einem Besuch in Ankara erwartet wird. Bei seinem zweiten Auslandsbesuch seit dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien wird al-Scharaa unter anderem den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan treffen. Besprochen werden soll vor allem die "wirtschaftliche Erholung, nachhaltige Stabilität und die Sicherheit" Syriens nach dem Machtwechsel.
Die Türkei pflegt eine enge Beziehung zu Syriens neuem Machthaber und war das erste Land, das nach dem Sturz des jahrelangen Herrschers Baschar al-Assad Anfang Dezember seine diplomatische Vertretung in Damaskus wieder eröffnete.
Aber die Türkei verfolgt neben dem Wiederaufbau Syriens auch andere Ziele in dem Nachbarland. Im Norden Syriens kämpfen die von der Türkei unterstützten Gruppen gegen die SDF. Die Türkei betrachtet die zu den SDF gehörenden kurdischen YPG-Einheiten als Ableger der türkischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die von Ankara wie von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft ist.
Die SDF kontrollieren große Teile des ölreichen Nordosten Syriens und Teile der östlichen Provinz Deir Essor, wo die Kurden nach dem Rückzug der Regierungskräfte zu Beginn des syrischen Bürgerkriegs 2011 eine autonome Verwaltung eingerichtet haben. Beim Sieg über die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien 2019 spielten die von den USA unterstützten SDF eine entscheidende Rolle.
Seit dem Beginn der Großoffensive islamistischer Kämpfer in Syrien Ende November, welche zum Sturz von Assad führten, haben die von der Türkei unterstützten Kämpfer im Norden Syriens die Angriffe auf die SDF wieder aufgenommen. Sie brachten die zuvor kurdisch kontrollierten Städte Manbidsch und Tal Rifaat in der Provinz Aleppo unter ihre Kontrolle. Seitdem dauern die Kämpfe in der Region an.
Die Offensive gegen Assad war von der islamistischen HTS-Miliz angeführt worden, deren Chef al-Scharaa war. Die neuen Machthaber unter seiner Führung beschlossen in der vergangenen Woche die Auflösung des alten Parlaments und setzten die Verfassung von 2012 vorerst außer Kraft. Zudem kündigten sie die Auflösung aller bewaffneten Gruppen sowie die der ehemaligen Armee an.
Die neuen syrischen Machthaber riefen auch die SDF dazu auf, die Waffen abzugeben und Teil der neuen Armee zu werden. Der kurdischen Selbstverwaltung von Gebieten erteilten sie eine Absage.
W.Nelson--AT