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Russland evakuiert zehntausende Menschen aus Grenzregion Kursk
Angesichts des Vorstoßes der ukrainischen Armee in der westrussischen Grenzregion Kursk haben die dortigen Behörden nach eigenen Angaben mehr als 76.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Russische und ukrainische Truppen lieferten sich am Samstag bereits den fünften Tag in Folge Gefechte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich erstmals zu der Offensive und sagte, Kiew versuche, den Krieg nach Russland zu "verlagern". Die russischen Behörden kündigten Anti-Terroreinsätze in drei Grenzregionen an.
"Mehr als 76.000 Menschen sind vorübergehend an sicheren Orten untergebracht worden", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass einen Vertreter des Katastrophenschutzministeriums der Region. Für die Flüchtenden wurden zusätzliche Züge in die Hauptstadt Moskau eingesetzt, außerdem wurden Hilfsgüter in das Grenzgebiet gebracht. "Der Krieg ist zu uns gekommen", sagte eine Frau bei ihrer Ankunft am Bahnhof in Moskau.
Kiew hatte mehrere Tage zu dem Vorstoß geschwiegen, am Samstagabend sagte Selenskyj schließlich, Oberbefehlshaber Oleksandr Syrsky habe "Bericht erstattet über die Front, unser Vorgehen und über die Verlagerung des Krieges auf das Territorium des Aggressors". Die Ukraine beweise damit, dass sie "Gerechtigkeit schaffen und Druck auf den Aggressor ausüben" könne, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache und dankte den beteiligten Soldaten.
Seit dem Beginn ihres Vorstoßes am Dienstag drang die ukrainische Armee in der Region Kursk unabhängigen Beobachtern zufolge offensichtlich mehrere Dutzend Kilometer weit vor.
Die russischen Behörden gaben derweil den Beginn von Anti-Terror-Einsätzen in den drei Grenzregionen Belgorod, Brjansk und Kursk bekannt. Sicherheitskräfte und Armee erhalten damit weitreichende Befugnisse. Die Bewegungsfreiheit der Bürger wird eingeschränkt, Fahrzeuge können beschlagnahmt, Telefongespräche abgehört und bestimmte Gebiete für den Zugang gesperrt werden.
Das Anti-Terrorismus-Komitee erklärte weiter, die Ukraine habe einen "beispiellosen Versuch gestartet, die Lage in einer Reihe von Regionen in unserem Land zu destabilisieren".
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Samstag mit, es setze zur Bekämpfung des ukrainischen Militärs auf russischem Territorium Flugzeuge und Artillerie ein. Der russische Generalstab hatte zunächst erklärt, es seien mehr als tausend ukrainische Soldaten, ein Dutzend Panzer und etwa 20 weitere gepanzerte Fahrzeuge in die Region Kursk eingedrungen. Am Samstag gab das russische Militär bekannt, die fünffache Menge an ukrainischen Kriegsgerät zerstört zu haben.
Nach Angaben der russischen Behörden vom Dienstag wurden bei den Kämpfen in Kursk fünf Menschen getötet und 55 weitere verletzt. Neuere Angaben lagen nicht vor.
Die Ukraine teilte mit, sie habe 20.000 Menschen aus der an Kursk grenzenden Region Sumy evakuiert. In der nordöstlichen Region Charkiw wurden den Behörden zufolge am Samstag drei Menschen getötet.
Das mit Russland verbündete Belarus gab bekannt, seine Einheiten an der ukrainischen Grenze zu verstärken. Um auf "jede mögliche Provokation" vorbereitet zu sein, würden zusätzliche Truppen und Raketen in die südliche Grenzregion Gomel entsandt, gab das belarussische Verteidigungsministerium im Online-Dienst Telegram bekannt.
Die russische Atomenergiebehörde Rosatom warnte, die Gefahr von Angriffen der ukrainischen Armee auf das Atomkraftwerk in Kursk sei "real". "Die Handlungen der ukrainischen Armee stellen eine direkte Bedrohung dar", erklärte Rosatom laut Staatsmedien mit.
Das Akw Kursk befindet sich nahe der Stadt Kurtschatow, die etwa hundert Kilometer von der russischen Grenze zur Ukraine entfernt liegt. Auch der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, hatte vor der Gefahr gewarnt und "alle Parteien zu maximaler Zurückhaltung" aufgerufen, um einen Atomunfall zu vermeiden.
A.Clark--AT