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Mindestens 400 Touristen in Peru am Fuße des Machu Picchu gestrandet
Wegen der anhaltenden Unruhen in Peru ist die bei Touristen aus aller Welt beliebte Weltkulturerbestätte Machu Picchu geschlossen worden. Die Schließung der historischen Inka-Stätte sei "wegen der sozialen Lage und zum Schutz der Integrität der Besucher" angeordnet worden, teilte das peruanische Kulturministerium am Samstag in Lima mit. Mindestens 400 Menschen, darunter 300 Ausländer, sind demnach im Ort Aguas Calientes am Fuße des Bergs mit der Inka-Stätte gestrandet. Die EU forderte indes ein Ende der Gewalt.
Die Besucher in Aguas Calientes könnten "nicht abreisen, weil die Eisenbahnschienen an einigen Stellen beschädigt sind", sagte Tourismusminister Luis Fernando Helguero. Einige Touristen hätten sich entschieden, zu Fuß in den Ort Piscacucho zu gehen, welcher an das Straßennetz angebunden ist. Das dauere jedoch "sechs Stunden oder mehr und nur sehr wenige Menschen können das tun", sagte der Minister.
Im Zuge der Proteste wurde der Zugang zum Machu Picchu wiederholt eingeschränkt. So wurde der Betrieb des nahegelegenen Flughafens von Cusco ausgesetzt. Bereits Mitte Dezember saßen hunderte ausländische Touristen rund um den Machu Picchu fest.
Peru wird seit der Amtsenthebung und Verhaftung des linksgerichteten Präsidenten Pedro Castillo am 7. Dezember von Unruhen erschüttert. Die Demonstranten fordern den Rücktritt seiner Nachfolgerin Dina Boluarte und die Auflösung des Parlaments, um unverzüglich Neuwahlen abzuhalten. Bei der Protestwelle starben fast 50 Menschen. Für fast ein Drittel des Andenlandes wurde mittlerweile der Notstand ausgerufen.
Aus der Kleinstadt Ilave in der südlichen Region Puno wurde am Samstag ein weiteres Todesopfer gemeldet. Ein Mann sei am Freitag während einer Protestkundgebung schwer verletzt und deswegen ins Krankenhaus eingeliefert worden, sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Am Samstag sei er seinen Verletzungen erlegen.
Nach Krankenhausangaben wurden bei den Zusammenstößen zwischen Mitgliedern des indigenen Aymara-Volkes und der Polizei zehn weitere Menschen verletzt. Das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen die Proteste brachte die Demonstranten in Ilave derartig auf, dass sie Samstagfrüh eine Polizeiwache in Brand steckten, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.
Auch in Zepita in der Region Puno wurde eine Polizeiwache angezündet. Verletzt wurde niemand.
Die EU verurteilte indes die anhaltende Gewalt in Peru und forderte die Behörden auf, rasch eine friedliche Lösung für die Probleme zu finden. Ein EU-Sprecher bedauerte am Samstag die hohe Zahl der Opfer seit Beginn der Proteste.
"Friedliche soziale Proteste, die die Rechtsstaatlichkeit respektieren, sind in einer demokratischen Gesellschaft legitim", hieß es in einer EU-Erklärung. Die EU verurteile jedoch "die weit verbreiteten Gewaltakte" sowie "die unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt durch die Sicherheitskräfte".
"Die EU ruft die Regierung und alle politischen Akteure auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Ruhe wiederherzustellen und einen umfassenden Dialog unter Beteiligung der Zivilgesellschaft und der betroffenen Gemeinschaften (...) zu gewährleisten", hieß es weiter.
Die EU begrüßte den Besuch der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (IAKMR) in Peru. Diese hatte eine Untersuchung der Niederschlagung der Proteste gefordert, da es Hinweise auf "exzessive Gewaltanwendung" gebe.
M.White--AT