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China sorgt mit Raketentest für Proteste - gemeinsames Marinemanöver mit Russland
Das chinesische Militär hat am Montag einen Raketentest im Pazifikraum ausgeführt und damit für heftige Proteste unter anderem in Australien und Neuseeland gesorgt. Das Geschoss stürzte nach Angaben aus Peking planmäßig in den Pazifik. Ob es sich dabei um eine atomwaffenfähige Interkontinentalrakete handelte, war zunächst unklar. Zudem startete China eine gemeinsame Militärübung mit Russland.
Die mit einem "Übungsgefechtskopf" ausgestattete Rakete sei am Mittag (Ortszeit) "erfolgreich" von einem Atom-U-Boot aus gestartet und "präzise im vorgesehenen Seegebiet" im Pazifik eingeschlagen, erklärte der chinesische Marine-Sprecher Wang Xuemeng im Onlinedienst WeChat.
Wangs Angaben zufolge war der Raketenstart Teil der "jährlichen militärischen Übungen Chinas". Dabei blieb unklar, ob er auf die gemeinsamen Marine-Übung "Joint Sea-2026" Chinas mit Russland vor der Küste der chinesischen Stadt Qingdao anspielte, die ebenfalls am Montag begann. Dem chinesischen Verteidigungsministerium zufolge wurde dafür ein gemeinsames Kommandozentrum eingerichtet. Im weiteren Verlauf seien gemeinsame Aufklärungsmaßnahmen, Tests der Luft- und Raketenabwehr, Schießübungen mit scharfer Munition und eine gemeinsame Patrouille im Pazifik geplant.
Im Vorfeld des Raketentests hatte die chinesische Regierung mehrere Länder in der Region über das Vorhaben informiert, darunter Neuseeland, Japan und Papua-Neuguinea. "Ich wurde persönlich vom chinesischen Botschafter angerufen", erklärte Papua-Neuguineas Außenminister Justin Tkatchenko.
Ein Vertreter der neuseeländischen Regierung bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, von chinesischer Seite über einen bevorstehenden Test einer "interkontinentalen ballistischen Rakete" informiert worden zu sein. Dass es sich um eine Interkontinentalrakete handelte, wollte Peking nicht bestätigen. Gegenüber der neuseeländischen Regierung sei nicht präzisiert worden, wo die Rakete genau einschlagen sollte. "Der Pazifik ist ein Ozean des Friedens, und wir sind zutiefst besorgt über Chinas Tests von atomwaffenfähigen Waffen im Südpazifik", erklärte der neuseeländische Außenminister Winston Peters.
Die japanische Regierung teilte mit, Peking aufgefordert zu haben, den Raketentest zu überdenken. Die australische Außenministerin Penny Wong sagte, der Raketentest destabilisiere die Region. Australien unterzeichnete ebenfalls am Montag ein Verteidigungsabkommen mit den Fidschi-Inseln, das beide Länder zum gegenseitigen Beistand im Verteidigungsfall verpflichtet. Ähnliche Verträge hatte Australien bereits mit Papua-Neuguinea, Vanuatu und Tuvalu geschlossen.
Auf die Kritik an dem Raketenstart angesprochen sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, der Test habe sich "nicht gegen ein bestimmtes Land oder Ziel" gerichtet. Er hoffe, dass die Länder "das nicht überinterpretieren". Chinas Verbündeter Russland äußerte sich ähnlich. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, China habe "niemanden bedrohen wollen". Außerdem habe Peking das "Recht, Raketen zu testen", fügte er hinzu.
Die chinesische Armee hatte bereits 2024 eine Interkontinentalrakete mit einem Testsprengkopf gestartet. Das Geschoss schlug im Pazifik nahe des französischen Überseegebiets Französisch-Polynesien ein. Damals war es Chinas erster Test einer Langstreckenrakete über internationalen Gewässern seit mehr als 40 Jahren gewesen. Bei dem Geschoss hatte es sich Experten zufolge um eine Dong-Feng-31-Rakete gehandelt, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden kann.
Diesmal könnte es sich bei der Rakete um das Modell JL-3 gehandelt haben, sagte der Militärexperte Alex Luck der Nachrichtenagentur AFP. Die JL-3 war im vergangenen September bei einer Militärparade in Peking präsentiert worden. Luck zufolge könnte es sich aber auch um das Vorgängermodell JL-2 gehandelt haben.
In den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten mehrere Staaten Atomtests in der Pazifikregion ausgeführt. Der Süden des Meeresgebiets ist seit Mitte der 80er-Jahre eine atomwaffenfreie Zone. China versucht seit Jahren, seinen Einfluss in der Region auszubauen. Dem US-Verteidigungsministerium zufolge verfügte China 2023 über mehr als 500 Atombomben. Bis 2030 könnte Peking demnach über mehr als 1000 Atombomben verfügen.
W.Nelson--AT