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Unruhen in Frankreich flauen insgesamt weiter ab
Die gewaltsamen Unruhen in Frankreich flauen weiter ab. Allerdings ermittelt die Justiz im Fall eines 27-Jährigen, der möglicherweise bei Krawallen in Marseille durch ein Gummigeschoss der Polizei getötet wurde. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire versuchte derweil zu beruhigen, die tagelangen Ausschreitungen hätten keine großen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den Tourismus des Landes.
Die Staatsanwaltschaft in Marseille teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, der 27-Jährige habe in der Nacht zu Sonntag einen "heftigen Schlag im Brustbereich" erlitten, der von einem "Projektil vom Typ Gummigeschoss" verursacht worden sei. Es sei aber unklar, ob es einen Zusammenhang mit den Unruhen gebe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch eine Waffe. Auch die Polizei-Aufsichtsbehörde sei eingeschaltet, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Der Einsatz von Gummigeschossen ist in Frankreich umstritten. Während der sozialen Proteste der sogenannten Gelbwesten 2018/19 waren mehrere Menschen durch Gummigeschosse verletzt worden.
Insgesamt nehmen die jüngsten Unruhen ab, die durch die Erschießung eines 17-Jährigen durch einen Polizisten ausgelöst worden waren. In der Nacht zu Mittwoch kamen laut Innenministerium nur noch 16 Menschen in Polizeigewahrsam, acht Gebäude wurden beschädigt. Es gab etwa 200 Brände im öffentlichen Raum, in erster Linie brennende Mülltonnen. Knapp 160 Fahrzeuge brannten ab.
Erneut waren landesweit 45.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Vortag bekräftigt, dass die massive Polizeipräsenz beibehalten werde. Seit Beginn der Unruhen am 27. Juni wurden insgesamt etwa 3.600 Menschen festgenommen, unter ihnen knapp ein Drittel Minderjährige. Etwa 480 wurden einem Richter vorgeführt, 380 von ihnen kamen in Haft.
In Paris konfiszierte die Polizei am Dienstagabend etwa 400 Kilogramm Feuerwerkskörper, die von Randalierern häufig im Internet bestellt und als Geschosse genutzt werden. Am Nachmittag soll Innenminister Gérald Darmanin sich zu den Unruhen vor einem Senatsausschuss äußern.
Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bemühte sich in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNN, Bedenken im Ausland zu zerstreuen. Der Tod des 17-jährigen Nahel durch die Kugel eines Polizisten sei eine "Tragödie" und "unverzeihlich". Die Lage beruhige sich aber. "Die französische Wirtschaft ist solide, der Alltag der französischen Bürger ist durch die Ereignisse nicht in Gefahr", versicherte der Wirtschaftsminister.
Laut Tourismusministerin Olivia Grégoire gibt es "keine Stornierungswelle in Paris". Die von ihrem Team befragten Plattformen hätten von einem Rückgang um 0,5 bis 2 Prozent gesprochen, aber dies erlaube keine Rückschlüsse, fügte sie hinzu. Der Chef des Pariser Tourismusbüros, Jean-François Rial, hatte am Sonntag allerdings gesagt, es gebe bereits "tausende Stornierungen". Für Anfang Juli gebe es in Paris rund 20 bis 25 Prozent Absagen durch internationale Kunden.
EU-Justizminister Didier Reynders äußerte sich besorgt über die Polizeigewalt sowie die gewaltsamen Proteste in Frankreich. Bei den Protestwellen der vergangenen Jahre etwa wegen der hohen Lebenskosten und der Rentenreform sei ein "sehr hohes Maß an Gewalt" zu beobachten gewesen, sagte Reynders dem belgischen Sender RTBF. "Das muss man untersuchen, weil es ein Problem darstellt."
Nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf den 17-jährigen Nahel während einer Verkehrskontrolle in einem Pariser Vorort war es mehrere Nächte lang zu gewaltsamen Protesten im Großraum Paris und in zahlreichen anderen Städten Frankreichs gekommen. Außer in Paris waren die Ausschreitungen in Marseille besonders heftig.
P.Hernandez--AT