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DIHK: Mehr Unternehmen erwägen wegen Bürokratie und Energiepreisen Abwanderung
Immer mehr Unternehmen in Deutschland erwägen laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), die Produktion einzuschränken oder ins Ausland zu verlagern. Besonders in der Industrie und dort vor allem große und energieintensive Betriebe machten diese Angabe, wie die DIHK am Donnerstag mitteilte. Als größtes Hindernis sehen die meisten Unternehmen jedoch die ausufernde Bürokratie, langsame Genehmigungsverfahren und allgemein fehlende Planbarkeit wegen der Energiepolitik.
Produktionseinschränkungen oder Verlagerungen ins Ausland planen der Umfrage nach 18 Prozent aller befragten Unternehmen. Der Anteil war hier im vergangenen Jahr besonders stark von elf auf 17 Prozent angestiegen, nun nur noch leicht. Bei den Industrieunternehmen ging der Anteil jedoch weiter stark nach oben.
2022 hatten 21 Prozent der Industriebetriebe diese Angabe gemacht, im vergangenen Jahr dann 32 und nun 37 Prozent. Bei energieintensiven Betrieben stieg der Anteil derjenigen, die Produktionseinschränkungen oder Verlagerungen planen, auf 45 Prozent, bei den Industrieunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden sogar auf 51 Prozent.
"Das Vertrauen der deutschen Wirtschaft in die Energiepolitik ist stark beschädigt", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Der Politik sei es bisher nicht gelungen, den Unternehmen eine Perspektive für eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung aufzuzeigen. Das gelte insbesondere für die Industrie.
Besonders ärgerlich sei, dass viele Unternehmen "nicht das Gefühl haben, mit ihren Sorgen ernst genommen zu werden", sagte Dercks. Die Politik verweise auf die mittlerweile wieder gesunkenen Strom- und Gaspreise. Aber zum einen seien die Preise weiterhin "international nicht wettbewerbsfähig", zum anderen fehle ein klares Konzept, woher der ganze Strom und Wasserstoff für das künftige Wirtschaftsmodell kommen solle.
Nicht nur in der Industrie, sondern über alle Unternehmen gesehen beschäftigt die Wirtschaft der Umfrage zufolge besonders die viele Bürokratie. Der Anteil der Betriebe, die dies als Hindernis für Transformationsprozesse sehen, ist seit 2022 stetig angestiegen auf nun 61 Prozent. Gleiches gilt für den Anteil der Unternehmen, die sich über lange Planungs- und Genehmigungsverfahren ärgern. 48 Prozent machten diese Angabe.
Die Wachstumsinitiative, mit der die Bundesregierung nach eigener Darstellung viele der häufig genannten Probleme der Betriebe angeht, sehen diese hingegen kritisch oder erwarten zumindest nicht dieselben Auswirkungen wie ihre Initiatoren. "Da gibt es durchaus richtige Sachen drin", sagte Dercks. Aber die prognostizierten 0,5 Prozent mehr Wachstum sehe er nicht.
Die DIHK erfragt seit 2012 jährlich rund 3300 Unternehmen aus der Breite der deutschen Wirtschaft dazu, wie sie die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Betriebs einschätzen. Mehr als die Hälfte der in diesem Jahr befragten Unternehmen (56 Prozent) kommen aus der Dienstleistungsbranche, 23 Prozent sind Industriebetriebe, 14 Prozent im Handel aktiv und sechs Prozent in der Bauwirtschaft.
Auf einer Skala von minus 100 für "sehr negativ" bis plus 100 für "sehr positiv" ergibt sich über alle Branchen hinweg in diesem Jahr ein Wert von minus 20. Das ist laut DIHK der zweitschlechteste Wert in der Geschichte des Energiewendebarometers. Nur im Vorjahr lag der Wert mit minus 27 noch niedriger.
W.Nelson--AT