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Aktivisten: Sicherheitskräfte im Iran schießen auf Demonstranten in Heimatstadt von Mahsa Amini
Zum Ende der Trauerzeit um Mahsa Amini haben im Iran am Mittwoch tausende Menschen der in Polizeigewahrsam gestorbenen Kurdin an ihrem Grab gedacht. Sicherheitskräfte hätten dabei in Aminis Heimatstadt Saghes das Feuer auf Demonstrierende eröffnet, berichtete die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw. Die Behörden kappten nach Angaben iranischer Staatsmedien das Internet in der Stadt.
"Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein und schossen am Sindan-Platz im Stadtzentrum von Saghes auf Menschen", schrieb Hengaw im Onlinedienst Twitter. Die Organisation machte keine Angaben dazu, ob es Tote oder Verletzte gegeben habe.
Laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna zogen "fast 10.000 Menschen" zu Aminis Grab auf dem Friedhof in Saghes. Unter ihnen seien sowohl Einheimische als auch Menschen aus anderen Städten gewesen. Die Situation in der Stadt sei angespannt gewesen, nachdem die Menge vom Friedhof zurückgekehrt sei, aber am Nachmittag sei es zu keiner Konfrontation gekommen, berichtete Isna weiter.
Aktivisten zufolge hatten Sicherheitskräfte Aminis Eltern zuvor gedroht, dass sie "um das Leben ihres Sohnes fürchten" müssten, wenn zum Ende der 40-tägigen Trauerzeit auf dem Friedhof eine Zeremonie abgehalten werde.
Am Mittwoch drängten sich Hengaw zufolge Demonstranten laut klatschend, schreiend und hupend auf der Straße, die Saghes mit dem acht Kilometer entfernten Friedhof verbindet. Hengaw veröffentlichte Aufnahmen von dem Protestzug, deren Echtheit die Organisation nach eigenen Angaben überprüft hatte.
Viele der Demonstranten skandierten "Tod dem Diktator", wie online verbreitete Videos zeigten. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars riefen zahlreiche Menschen "Frau, Leben, Freiheit", den Slogan der Protestbewegung. Auf einem weiteren im Internet geteilten Video, das zunächst nicht von unabhängiger Stelle geprüft werden konnte, waren die Rufe "Kurdistan, Kurdistan, der Friedhof der Faschisten" zu hören.
Amini starb am 16. September in Teheran, nachdem sie dort drei Tage zuvor von der Sittenpolizei wegen des Vorwurfs festgenommen worden war, ihr Kopftuch nicht den Vorschriften entsprechend getragen zu haben. Aktivisten beschuldigen die Behörden, Amini misshandelt zu haben. Ihr Tod löste eine bis heute andauernde Protestwelle aus.
Die iranische Justiz leitete eigenen Angaben zufolge inzwischen Verfahren gegen mehr als tausend Menschen im Zusammenhang mit den landesweiten Protesten nach Aminis Tod ein. Ihnen würden unter anderem "Handlungen gegen die Sicherheit des Landes" sowie "Propaganda" gegen die Führung in Teheran und "Angriffe auf Sicherheitskräfte" vorgeworfen, hieß es auf der Justiz-Website Misan Online am Mittwoch.
In Berlin prangerte derweil Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) die sich verschlechternde Menschenrechtslage im Iran an. Mit einem Staat, "der derart menschenverachtend mit seinen eigenen Bürgerinnen und Bürgern umgeht", könne es kein "Weiter so" in den bilateralen Beziehungen geben, erklärte Baerbock.
P.A.Mendoza--AT