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Selenskyj bittet G7-Staaten um Schutzschirm gegen russische Raketen
Nach den massiven russischen Raketenangriffen auf Städte in der Ukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die G7-Staaten aufgefordert, sein Land beim Aufbau eines Luftabwehrsystems zu unterstützen. "Millionen Menschen werden der G7 dankbar sein für eine solche Hilfe", sagte Selenskyj am Dienstag, während Russland zugleich seine Angriffe fortsetzte. Deutschland übergab derweil einem Bericht zufolge ein erstes hochmodernes Luftverteidigungssystem an die Ukraine.
Selenskyj wandte sich bei einer Videokonferenz an die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten und rief sie auf, "finanziell beim Aufbau eines Schutzschirms für die Ukraine zu helfen". Er warnte, Russlands Präsident Wladimir Putin könne die Situation noch weiter eskalieren. Putin sei "am Ende seiner Herrschaft angelangt", habe aber "noch die Möglichkeiten für weitere Eskalation". Dies sei "eine Gefahr für uns alle".
Die G7-Staaten sagten Selenskyj zu, die Ukraine "so lange wie nötig" finanziell, humanitär, militärisch, diplomatisch und rechtlich zu unterstützen. Auf Selenskyjs Forderung nach einem Luftabwehrsystem gingen die Staats- und Regierungschefs in einer Erklärung nach dem Gespräch aber nicht direkt ein.
Wie der "Spiegel" meldete, übergab Deutschland am Dienstag jedoch nahe der polnisch-ukrainischen Grenze das erste von vier zugesagten hochmodernen Luftverteidigungssystemen an die Ukraine. Das System Iris-T SLM kann anfliegende Raketen in einer Höhe bis zu 20 Kilometern und in einer Entfernung von bis 40 Kilometern abwehren. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte der Ukraine das System schon im Juni zugesagt. Es kann ihm zufolge "eine ganze Großstadt vor russischen Luftangriffen" schützen.
Als Vergeltung für die Bombenexplosion auf der Krim-Brücke am Samstag hatte Russland am Montag landesweit ukrainische Städte mit Raketen angegriffen und dabei vor allem auf Infrastruktur zur Energieversorgung gezielt. Getroffen wurden aber auch rein zivile Ziele wie eine Universität und ein Spielplatz. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei 19 Menschen getötet und mehr als hundert verletzt.
Bundeskanzler Scholz, US-Präsident Joe Biden und die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada verurteilten die russischen Angriffe bei ihrer Videokonferenz auf das Schärfste. Wahllose Angriffe auf unschuldige Zivilisten seien "ein Kriegsverbrechen". "Wir werden Präsident Putin und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen", sagten die G7-Staaten zu.
Am Dienstag setzte Russland seine Angriffe fort, auch im weit von der Front entfernten Westen der Ukraine. Die "massiven Angriffe" mit Präzisionswaffen von großer Reichweite hätten sich gegen militärische Ziele und Einrichtungen zur Stromversorgung gerichtet, erklärte das russische Verteidigungsministerium.
Zu den Zielen gehörte auch die westukrainische Stadt Lwiw, die bereits am Montag getroffen worden war. Der Bürgermeister erklärte, etwa ein Drittel der Stadt sei von der Stromversorgung abgeschnitten. Landesweit waren am Dienstag in der Ukraine rund 300 Ortschaften ohne Strom. Auch in der südrussischen Grenzregion Belgorod waren nach Angaben des Gouverneurs nach einem ukrainischen Angriff auf ein Umspannwerk zeitweise 2000 Menschen ohne Strom.
In Kiew ertönten am Dienstagvormittag fünf Stunden ununterbrochen die Alarmsirenen. Die Behörden riefen die Bevölkerung zum Stromsparen auf. Vor allem abends sollen Elektrogeräte ausgeschaltet bleiben. Die nahe der Front gelegene Stadt Saporischschja im Süden der Ukraine wurde nach Behördenangaben von zwölf Raketen getroffen. Demnach traf der Beschuss zivile Infrastruktur, ein Mensch wurde getötet.
In zwei zurückeroberten Städten in der ostukrainischen Region Donezk wurden unterdessen die Leichen dutzender Zivilisten gefunden. "In den befreiten Städten Swjatohirsk und Lyman wurden zahlreiche Massengrabstätten entdeckt", erklärte die Generalstaatsanwalt. Einige der 34 exhumierten Leichen in Swjatohirsk weisen demnach Anzeichen eines "gewaltsamen Todes" auf. Unter den 44 Leichen in Lyman sei auch ein einjähriges Kind.
A.Williams--AT