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Israel nimmt Kreuzfahrer-Burg Beaufort im Libanon ein und weitet Bodeneinsatz aus
Bei ihrer Bodenoffensive gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon hat die israelische Armee die strategisch bedeutsame Kreuzritterburg Beaufort eingenommen. 44 Jahre nach dem ersten Libanon-Krieg seien israelische Soldaten dorthin "zurückgekehrt", erklärte Verteidigungsminister Israel Katz am Sonntag. Frankreich kritisierte das israelische Vorgehen im Libanon scharf und beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.
Katz erklärte im Onlinedienst Telegram, die israelische Armee habe unter Führung von Regierungschef Benjamin Netanjahu "ihren Einsatz im Libanon ausgeweitet, den Fluss Litani überquert und die Beaufort-Höhe eingenommen". Die Einnahme "eines der wichtigsten strategischen Punkte" diene der Verteidigung der Ortschaften im Norden Israels und der Sicherheit israelischer Soldaten. Über der Burg wehte am Sonntag die israelische Flagge.
Frankreich erkenne Israels Recht zur Verteidigung gegen die Hisbollah-Angriffe an, doch "nichts kann die Verlängerung der israelischen Militäreinsätze im Libanon und die Besetzung von Gebieten immer tiefer auf libanesischem Gebiet rechtfertigen", sagte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot dem Fernsehsender BFMTV. Mit seinem Vorstoß begehe Israel einen "schweren Fehler". Die israelische Regierung verstoße damit gegen das Völkerrecht und verletze ihre Verpflichtungen gemäß der seit Mitte April geltenden Waffenruhe.
In der Umgebung der mittelalterlichen Kreuzritterburg war am Sonntag Artilleriefeuer zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. Rauch stieg auf. Die Burg gilt wegen ihrer Lage mit Blick über weite Teile des Südlibanon als strategisch wichtiger Punkt. Die israelische Armee eroberte sie bereits im Libanonkrieg 1982 und nutzte die Burg bis zu ihrem Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 als Stützpunkt.
Die israelische Armee hatte kurz zuvor eine Ausweitung ihres Bodeneinsatzes im Libanon gemeldet. Israelische Soldaten überquerten demnach den Fluss Litani. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte bereits am Freitag erklärt, die israelischen Streitkräfte hätten den rund 30 Kilometer nördlich der gemeinsamen Grenze verlaufenden Litani überschritten.
Die Armee erklärte, sie habe "vor einigen Tagen" einen Einsatz in der Gegend des Beaufort-Kamms und des Wadi al-Saluki im Süden des Libanon begonnen. Ziel sei es, "direkte Bedrohungen" für Orte im Norden Israels und für die Stadt Metula zu beseitigen und die operative Kontrolle im Südlibanon zu stärken.
Ein israelischer Armeesprecher forderte die Bewohner aller libanesischen Gebiete südlich des Flusses Sahrani auf, sich "sofort" in Gebiete nördlich des Flusses in Sicherheit zu bringen, der nördlich des Litani liegt. Jedes von der Hisbollah genutzte Gebäude könne zum Angriffsziel werden, warnte der Sprecher.
Zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die jedoch nie eingehalten wurde. Beide Seiten werfen einander Verstöße gegen die Vereinbarung vor und rechtfertigen ihre Angriffe jeweils mit mutmaßlichen Verstößen der Gegenseite. Der Libanon war durch neue Angriffe der Hisbollah auf Israel Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden seither etwa 3400 Menschen durch israelische Angriffe getötet und mehr als eine Million Menschen vertrieben.
Die Hisbollah-Miliz erklärte am Samstag, sie habe mehrere Angriffe auf Nordisrael ausgeführt. Die nordisraelische Stadt Kirjat Schmona sei mit einer "Raketensalve" angegriffen worden. Dies sei zur "Verteidigung des Libanon und seines Volkes und in Reaktion auf die Verletzung der Waffenruhe durch den israelischen Feind" erfolgt. Nach Angaben der israelischen Armee wurden allein am Samstag mehr als 25 Geschosse aus dem Libanon auf Israel abgefeuert.
Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam warf Israel eine Strategie "der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe" vor. Diese werde Israel "weder Sicherheit noch Stabilität" bringen, sagte Salam in einer Fernsehansprache. Zugleich verteidigte er die Fortsetzung direkter Verhandlungen mit Israel als den "am wenigsten kostspieligen Weg" für den Libanon. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt die direkten Gespräche zwischen dem Libanon und Israel ab.
W.Nelson--AT