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Israel gibt grünes Licht für Mobilisierung zehntausender Reservisten
Inmitten eines neuen Vermittlungsversuchs für eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen hat Israel grünes Licht für die Mobilisierung zehntausender Reservisten gegeben. Verteidigungsminister Israel Katz billigte am Mittwoch die Entsendung von Einberufungsanordnungen an etwa 60.000 Reservesoldaten sowie den Plan der israelischen Armee zur die Einnahme der Stadt Gaza, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch erklärte. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ordnete nach Angaben seines Büros "die Verkürzung des Zeitplans" an. Derweil wartete der Vermittler Katar weiter auf eine offizielle Antwort Israels auf den jüngsten Verhandlungsvorschlag.
Die israelische Armee will nach eigenen Angaben die Stadt Gaza und die in Al-Mawasi im Zentrum des Gazastreifens liegenden Flüchtlingslager einnehmen. Ein israelischer Armeesprecher sagte am Mittwoch vor Journalisten, die neue Kampfphase werde "einen schrittweisen, präzisen und gezielten Einsatz in und um Gaza-Stadt" umfassen, darunter auch einige Gebiete, in denen bisher noch keine Truppen im Einsatz gewesen seien. Die Truppen führten derzeit Angriffe in den Stadtteilen Seitun und Dschabalija aus.
Armeechef Ejal Samir hatte am Sonntag die vorläufige Genehmigung der "nächsten Phase" der Pläne zur Einnahme von Gaza bekanntgegeben. Die Armee werde ihre Einsätze nun auf die Stadt "konzentrieren", um die islamistische Palästinenserorganisation Hamas "entscheidend" zu schlagen, hieß es in einer Erklärung.
Medienberichten zufolge rechnet die israelische Armee mit einem langwierigen Einsatz zur Einnahme der Stadt. Die Streitkräfte bereiteten sich auf eine "ausgedehnte Operation von mehreren Monaten vor, die bis in das Jahr 2026 andauern wird", berichtete das israelische Armeeradio. Die israelische Tageszeitung "Maariw" berichtete, der Einsatz könne rund hundert israelische Soldaten das Leben kosten.
Netanjahus Büro erklärte später am Mittwoch, der Ministerpräsident habe "die Verkürzung der Zeitpläne für die Eroberung der letzten Terroristenhochburgen und die Niederlage der Hamas angeordnet". Ein konkreter Zeitrahmen wurde jedoch nicht genannt.
Der von der Hamas kontrollierte Zivilschutz im Gazastreifen warf der israelischen Armee unterdessen vor, mit Angriffen und Beschuss für den Tod von mindestens 25 Menschen im Gazastreifen verantwortlich zu sein. Zivilschutz-Sprecher Mahmud Bassal, dem Israel vorwirft, ein "aktiver Terrorist" zu sein und Falschmeldungen im Sinne der Hamas zu verbreiten, sprach gegenüber AFP von einer "sehr gefährlichen und unerträglichen" Situation in Seitun und Sabra.
Von AFP dazu befragt, bat die israelische Armee um Koordinaten und genaue Zeitangaben, um zu den Berichten Stellung zu nehmen. Die Armee erklärte jedoch, sie werde Berichte untersuchen, wonach acht Menschen durch israelischen Beschuss nahe eines Verteilzentrums für Hilfsgüter im Zentrum des Küstengebiets getötet worden seien.
Die israelische Armee zieht die von den Hamas-Behörden genannten Totenzahlen in Zweifel. "Die Institutionen im Gazastreifen werden von der Hamas kontrolliert und geführt und unterliegen deswegen ihrer Agenda", erklärte die Armee am Sonntag. So würden auch "Todesfälle ohne Zusammenhang zum Konflikt" als Opfer israelischer Angriffe dargestellt, außerdem werde nicht zwischen "Zivilisten und Terroristen" unterschieden.
Derweil warteten die Vermittler aus Katar auch am Mittwoch auf Israels offizielle Antwort zu dem jüngsten Vorschlag für eine Waffenruhe, in deren Zug auch ein Teil der Geiseln freikommen soll. Der Vorschlag, dem die Hamas am Montag nach eigenen Angaben zugestimmt hatte, sieht eine Freilassung von zehn lebenden israelischen Geiseln und die Rückgabe von 18 toten Geiseln an Israel vor, wie AFP aus Kreisen der Hamas und des mit ihr verbündeten Islamischen Dschihad erfuhr.
Die Hamas bezeichnete die Pläne der israelischen Armee zur Einnahme der Stadt Gaza am Abend als "eklatante Missachtung" der Bemühungen der Vermittler um ein Waffenruhe-Abkommen.
Israelischen Medienberichten zufolge hat Netanjahu bislang kein Treffen des israelischen Sicherheitskabinetts veranlasst, um über den Waffenruhe-Vorschlag zu sprechen. Am Dienstag hatte ein israelischer Regierungsvertreter jedoch erklärt, Israel halte an seiner Forderung nach der Freilassung aller Geiseln und nicht nur eines Teils der Geiseln fest.
Bei den von den USA, Katar und Ägypten vermittelten Verhandlungen waren zuletzt keine Fortschritte erzielt worden. Für das Scheitern der letzten Verhandlungsrunde im Juli in Doha machten Israel und die USA die Hamas wegen wiederholt überzogener Forderungen verantwortlich.
Die Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem brutalen Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg im Gazastreifen ausgelöst. Bei dem Angriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Fast zwei Jahre danach hält die Hamas in dem Palästinensergebiet noch immer 49 Geiseln in ihrer Gewalt. Nur 22 von ihnen sind nach Einschätzung der israelischen Armee noch am Leben.
Israel geht seit dem Hamas-Großangriff massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 62.000 Menschen getötet. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
R.Garcia--AT