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Van Aken und Ines Schwerdtner bewerben sich um Linken-Vorsitz
Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jan van Aken und die im sächsischen Werdau aufgewachsene Publizistin Ines Schwerdtner haben ihre Kandidaturen für den Vorsitz der Linkspartei angekündigt. Sie bewerben sich damit um die Nachfolge von Janine Wissler und Martin Schirdewan, die auf dem Parteitag Mitte Oktober in Halle nicht erneut antreten wollen.
Sie sei "zutiefst davon überzeugt, dass die Linke wieder erfolgreich sein kann, wenn wir das gemeinsam anpacken", schrieb Schwerdtner auf ihrer Internetseite. "Ich weiß, in dieser Partei steckt eine unglaubliche Kraft. Wir müssen sie nur wieder zu nutzen wissen." Die 35-Jährige rief die Linke dazu auf, sie solle "an konkrete Alltagssorgen anknüpfen, unbürokratisch Hilfe leisten und die Anliegen mit einer Perspektive über den Kapitalismus hinaus verknüpfen".
Schwerdtner ist erst seit knapp einem Jahr Mitglied der Linkspartei. Sie kandidierte aber bereits im Juni bei der Europawahl für die Linke auf dem noch relativ aussichtsreichen Listenplatz Fünf. Ins Europaparlament zogen dann jedoch wegen des schlechten Wahlergebnisses der Partei von nur 2,7 Prozent lediglich die ersten drei Listenkandidaten ein.
In Berlin engagierte sich die frühere Chefredakteurin des von ihr mitgegründeten sozialistischen Magazins "Jacobin" bis 2022 in der Initiative "Deutsche Wohnen & Co enteignen" sowie in der Kampagne "Genug ist Genug", die sich gegen die massiven Preissteigerungen und deren Auswirkungen gerade auf Menschen mit niedrigen Einkommen richtete.
Der im schleswig-holsteinischen Reinbek geborene van Aken kündigte seine Kandidatur am Dienstag im Online-Dienst X an. Es brauche "eine starke linke Kraft (...), die die Interessen der Menschen vertritt. Gegen die soziale Kälte, gegen den Rechtsruck, gegen den Krieg", schrieb er dort. Er bringe "eine echte, tiefe Zuversicht mit, dass wir gewinnen können", begründete van Aken seine Bewerbung. Dies sei "ein Feuer, das hoffentlich ansteckend ist".
Der 63-Jährige verwies auf seine Erfahrung als Gentechnikexperte für Greenpeace und Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen. Bei Greenpeace habe er "Kampagne gelernt und bei den Vereinten Nationen Diplomatie". Zu seinen politischen Schwerpunkten gehört sein Engagement für Abrüstung und gegen deutsche Rüstungsexporte. Kritisch beurteilt er auch die Waffenlieferungen an die Ukraine - auch wenn van Aken den russischen Angriffskrieg gegen das Land klar verurteilt und auch wirksame Sanktionen gegen Russland befürwortet.
Van Aken ist derzeit Referent für internationale Krisen und Konflikte bei der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung. Von 2009 bis 2017 gehörte van Aken für die Linkspartei als Abgeordneter dem Bundestag an. Danach kandidierte er nicht erneut. Von 2012 bis 2013 war er zudem stellvertretender Parteivorsitzender, später Mitglied des Bundesvorstands der Linken.
Wissler und Schirdewan hatten am Wochenende ihren Rückzug angekündigt. Sie wollen damit den Weg für einen personellen und inhaltlichen Neuanfang der Partei nach der Abspaltung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) freimachen. Strategisches Ziel ist der Wiedereinzug der Linken 2025 in den Bundestag - den die Partei nach aktuellen Umfragen klar verfehlen würde. Bewerberinnen und Bewerber für den Parteivorsitz haben bis zum 8. September Zeit, ihre Kandidatur anzumelden.
A.Clark--AT