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Unesco: 1,4 Millionen Mädchen in Afghanistan seit 2021 vom Schulbesuch ausgeschlossen
Drei Jahre nach der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban hat die UNO alarmierende Zahlen zu Afghanistan veröffentlicht: Mindestens 1,4 Millionen Mädchen sind nach Angaben der Unesco in den vergangenen drei Jahren von dem Besuch einer weiterführenden Schule ausgeschlossen worden. Dies sei ein Anstieg um 300.000 seit der letzten Zählung im April 2023, erklärte die UN-Kulturorganisation Unesco am Donnerstag. 55 Hilfsorganisationen forderten indes von der Bundesregierung die Fortsetzung des durch geplante Haushaltskürzungen bedrohten Bundesaufnahmeprogramms Afghanistan.
Fast 2,5 Millionen Mädchen, also 80 Prozent der Mädchen im Schulalter, werde in Afghanistan das Recht auf Bildung verwehrt, teilte die Unesco weiter mit. Insbesondere der Zugang zur Grundschulbildung sei stark zurückgegangen. Im Jahr 2022 seien in Afghanistan 5,7 Millionen Jungen und Mädchen zur Grundschule gegangen, 2019 seien es noch 6,8 Millionen gewesen. Die Unesco zeigte sich alarmiert und warnte vor einem "Anstieg von Kinderarbeit und Frühverheiratung".
In nur drei Jahren hätten die Taliban "zwei Jahrzehnte stetiger Fortschritte in der Bildung in Afghanistan fast zunichte gemacht", hieß es weiter. "Die Zukunft einer ganzen Generation ist nun in Gefahr."
Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich dafür einzusetzen, "dass die Schulen und Universitäten für afghanische Mädchen und Frauen bedingungslos wieder geöffnet werden". Afghanistan ist das einzige Land auf der Welt, das Mädchen und Frauen den Besuch von weiterführenden Schulen und Universitäten verbietet.
Nach jahrzehntelanger Militärpräsenz hatten die internationalen Truppen im Frühjahr 2021 ihren Rückzug aus Afghanistan angetreten. Die Taliban übernahmen umgehend die Kontrolle über weite Teile des Landes, eroberten am 15. August 2021 die afghanische Hauptstadt Kabul zurück und riefen ein Islamisches Emirat aus. Der Jahrestag wird im afghanischen Kalender einen Tag früher begangen und wurde landesweit von den Machthabern am Mittwoch mit Militärparaden und Zusammenkünften gefeiert.
Seit der Übernahme der Regierung setzen die Taliban ihre strenge Auslegung des Islams mit drakonischen Gesetzen durch und beschneiden insbesondere Frauenrechte. Der oberste Anführer der Taliban, Hibatullah Achundsada, bekräftigte anlässlich des Jahrestags das Ziel, die Scharia umzusetzen: "Der Religion zu dienen und nach der Scharia zu regieren, ist unsere lebenslange Verantwortung", sagte Hibatullah Achundsada auf einer Luftwaffenbasis in der Taliban-Hochburg Kandahar.
"Wir werden Allahs Religion und die Scharia für uns und andere umsetzen, solange wir leben", sagte Achundsada, der sich nur selten in der Öffentlichkeit zeigt, in seiner Rede, die von Regierungssprecher Sabihullah Mudschahid am Mittwochabend im Onlinedienst X veröffentlicht wurde.
In Deutschland forderten derweil 55 Hilfsorganisationen die Bundesregierung auf, das durch geplante Haushaltskürzungen bedrohte Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan fortzusetzen. Das Programm wurde im Oktober 2022 initiiert; es sollte unter der Taliban-Herrschaft besonders stark gefährdeten Afghaninnen und Afghanen dauerhaft eine Aufnahme in Deutschland aus humanitären Gründen ermöglichen.
Anvisiert wurden dabei bis zu tausend Aufnahmen pro Monat. Aktivisten zufolge sind bis zum Juli 2024 aber gerade einmal 540 Menschen über das Aufnahmeprogramm nach Deutschland eingereist. Medienberichten zufolge will die Ampel-Koalition die Mittel für das Programm im kommenden Jahr jedoch deutlich kürzen.
P.Smith--AT