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Griechischer Bahnhofsvorsteher wegen Zugunglücks in Untersuchungshaft
Fünf Tage nach dem verheerenden Zugunglück in Griechenland mit mindestens 57 Toten ist der Bahnhofsvorsteher von Larisa in Untersuchungshaft genommen worden. Dem 59-Jährigen werde "der Tod einer großen Zahl von Personen" zur Last gelegt, verlautete am Sonntag aus Justizkreisen. Ihm droht eine Haftstrafe zwischen zehn Jahren und lebenslänglich.
Der Bahnhofsvorsteher war am Tag nach dem Unglück festgenommen worden. Er räumte ein, die Umleitung der Züge versäumt zu haben.
Nach Informationen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ERT hatte der Mann den Posten erst 40 Tage inne, nachdem er zuvor ein dreimonatiges Training absolviert hatte. Laut der Zeitung "Kathimerini" arbeitete der Mann bis zum Unglück offenbar vier Tage lang alleine auf dem Bahnhof, obwohl es sich um ein verlängertes Feiertagswochenende mit starkem Zugverkehr handelte.
Auf der Strecke zwischen Athen und der Hafenstadt Thessaloniki waren am Dienstagabend kurz vor Mitternacht ein Personenzug und ein auf demselben Gleis entgegenkommender Güterzug frontal zusammengestoßen. Es war das schwerste Zugunglück in der Geschichte des Landes.
Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis bat die Angehörigen der Todesopfer am Wochenende in einer Onlinebotschaft "um Vergebung". Auf Facebook erklärte er: "Es kann nicht sein, dass 2023 in Griechenland zwei Züge auf derselben Strecke auf einander zufahren und das von niemandem bemerkt wird."
Mit Blick auf den Bahnhofsvorsteher betonte Mitsotakis: "Wir können, wollen und dürfen uns nicht hinter dem menschlichen Versagen verstecken."
Das Unglück löste breiten Protest in Griechenland aus. Am Wochenende gingen Menschen in mehreren Städten auf die Straßen. Nach Angaben der Polizei versammelten sich während der Anhörung des Bahnhofsvorstehers rund 12.000 Menschen vor dem Parlament in Athen zu einer Protestkundgebung. Sie ließen hunderte schwarze Ballons in den Himmel steigen, um der Toten des Unglücks zu gedenken.
Zwischenzeitlich schlugen die Proteste in der Hauptstadt Athen in Gewalt um. Einige Demonstranten setzten Mülltonnen in Brand und warfen Molotow-Cocktails, worauf die Polizei mit Tränengas und Blendgranaten reagierte, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten.
Nach Angaben der Polizei wurden sieben Beamte verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Fünf Menschen seien festgenommen worden. Am Sonntagnachmittag beruhigte sich die Situation in Athen wieder.
K.Hill--AT