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Missbrauchsvorwürfe gegen bekannten kanadischen Kardinal Marc Ouellet
Wenige Wochen nach der Kanada-Reise von Papst Franziskus sind Missbrauchsvorwürfe gegen den bekannten kanadischen Kardinal Marc Ouellet laut geworden. In einer Sammelklage gegen mehr als 80 Angehörige des Erzbistums Québec werden dem heutigen Präfekten der Bischofskongregation im Vatikan von einer früheren Praktikantin sexuelle Übergriffe vorgeworfen, wie am Dienstag aus Gerichtsdokumenten hervorging. In dem fraglichen Zeitraum von 2008 bis 2010 war der heute 78-Jährige Erzbischof von Québec.
Die nur als "F" identifizierte Frau wirft Ouellet laut den Dokumenten vor, sie in der Zeit wiederholt geküsst, ihr "kräftig" die Schultern massiert und ihr ein Mal mit der Hand über den Hintern gefahren zu sein. Die Frau gibt an, sie habe sich von dem damaligen Erzbischof "gejagt" gefühlt. Als sie das Thema angesprochen habe, sei ihr gesagt worden, dass sie nicht die einzige Frau sei, die ein solches "Problem" mit Ouellet habe.
Später wurde ihr den Unterlagen zufolge geraten, einen Brief an Papst Franziskus zu schreiben. Der Frau wurde später mitgeteilt, der Papst habe jemanden beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen. Sie erhielt aber nie eine Rückmeldung über einen möglichen Abschluss einer solchen Untersuchung.
Das Erzbistum erklärte nun auf Anfrage, es habe die "Vorwürfe mit Blick auf Kardinal Marc Ouellet zur Kenntnis genommen", wolle die Angelegenheit aber nicht weiter kommentieren. Der Vatikan reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.
In der Sammelklage erklären 101 Menschen, sie seien im Erzbistum Québec Opfer sexueller Übergriffe durch Kirchenvertreter geworden. Die Vorwürfe reichen zurück bis in das Jahr 1940.
Die Vorwürfe gegen Ouellet wurden kurz nach dem Kanada-Besuch von Papst Franziskus vom Juli publik. Der Kardinal hatte 2013, als Franziskus zum Oberhaupt der Katholiken gewählt wurde, selbst als Anwärter auf das Amt an der Spitze der katholischen Kirche gegolten.
W.Nelson--AT