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Fünf Jahre Haft für Vietnamesen nach Entführung von Landsmann in Berlin
Fünfeinhalb Jahre nach der spektakulären Entführung eines vietnamesischen Geschäftsmanns aus Berlin in seine Heimat hat das Kammergericht der Hauptstadt einen Tatbeteiligten zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der 32-jährige Anh Tu L. wurde am Montag der geheimdienstlichen Agententätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung schuldig gesprochen.
In dem Fall geht es um das Schicksal des Geschäftsmanns Trinh Xuan Thanh, der im Juli 2017 gemeinsam mit seiner Begleiterin in einer Aktion des vietnamesischen Geheimdiensts auf offener Straße in Berlin gewaltsam in einen Transporter gezerrt und anschließend gegen seinen Willen nach Vietnam gebracht wurde. Dort wurde er wegen angeblicher Misswirtschaft und Unterschlagung zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Entführung höre sich wie "der Plot eines eher mäßig realistischen Thrillers" an, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Fischer, habe sich aber tatsächlich so ereignet. L. habe dabei eine "gewichtige Tatbeteiligung" nachgewiesen werden können. Den Feststellungen des Strafsenats zufolge fuhr der 32-Jährige das Fahrzeug, in welches die beiden Entführten gezerrt wurden. Er sei dabei in den Tatplan eingeweiht gewesen.
Die Frau wurde anschließend über Seoul nach Vietnam geflogen. Den Geschäftsmann fuhren Mitglieder der Entführungsaktion, darunter der nun Verurteilte, nach Bratislava. Dort fand ein Treffen des vietnamesischen Innenministers mit seinem slowakischen Amtskollegen statt - vermutlich eigens arrangiert, um Thanh aus dem europäischen Schengen-Raum zu bringen. Dieser wurde unter falschem Namen in die vietnamesische Regierungsdelegation eingeschleust, mit welcher er über Moskau nach Vietnam flog.
Das Gericht kam mit seinem Urteil der Forderung der Bundesanwaltschaft in voller Höhe nach. Die Verteidigung hatte hingegen einen Freispruch beantragt. Der 32-Jährige hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Er hatte sich nach der Tat in der tschechischen Hauptstadt Prag aufgehalten. Im Juni wurde er nach Deutschland ausgeliefert und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Ein weiterer Beteiligter an der Entführung war bereits 2018 in Berlin zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der Anwältin des entführten Geschäftsmanns Petra Isabel Schlagenhauf zufolge waren insgesamt etwa 25 bis 30 Menschen an der Entführungsaktion und vier bis sechs am Zugriff beteiligt. Darunter waren laut Anklage Mitarbeiter des vietnamesischen Geheimdiensts und der Botschaft des asiatischen Landes in Berlin sowie weitere in Europa lebende vietnamesische Staatsangehörige.
Der Entführte war im Jahr 2016 nach Deutschland geflohen und hatte Asyl beantragt, nachdem Fotos aufgetaucht waren, die ihn am Steuer eines Luxusautos mit Regierungskennzeichen zeigten. Seine Entführung verurteilte das Auswärtige Amt seinerzeit als "Menschenraub". Wegen des Falls wurde ein geplantes Partnerschaftsabkommen mit Vietnam auf Eis gelegt.
P.A.Mendoza--AT