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Staatsanwaltschaft will Auslieferung von mutmaßlichem Todesschützen von Nürnberg
Der in Italien festgenommene mutmaßliche Todesschütze von Nürnberg soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Ein entsprechendes Auslieferungsersuchen sei gestellt worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Antje Gabriels-Gorsolke, am Montag vor Journalisten. Der 28 Jahre alte Mert A. war am Donnerstag nach monatelanger europaweiter Fahndung in einem Hotel in Rimini festgenommen worden.
Er wird verdächtigt, im Oktober in der Nürnberger Südstadt vor einem Café auf zwei Männer geschossen zu haben. Einer von ihnen starb, der andere wurde schwer verletzt. Den Ermittlungen zufolge planten der mutmaßliche Täter und die Opfer möglicherweise gemeinsame Geschäfte, wie der Leiter der zuständigen Sonderkommission "Graben" der Nürnberger Kriminalpolizei, Alexander Berthold, sagte. Was zum Bruch zwischen ihnen geführt habe, werde noch ermittelt.
Berthold zeichnete bei der Pressekonferenz den Fall nach. Den Ermittlungen der Sonderkommission zufolge stammt A. aus der Türkei, gab sich aber im April 2022 als ukrainischer Flüchtling aus und kam so nach Deutschland. An seiner deutschen Meldeadresse habe er nie gelebt. Seine Anträge auf eine Aufenthaltserlaubnis seien ausgerechnet am Tattag, dem 24. Oktober, abgelehnt worden - das habe er aber damals nicht gewusst, weil ihm die Ablehnung noch nicht zugestellt worden sei.
In Deutschland habe A. sich ein "breites Netzwerk" aufgebaut und auch in anderen europäischen Ländern Freunde gehabt. Offenbar plante er, mit Tabak- und Shishaprodukten zu handeln. Am 24. Oktober aber soll er auf die beiden Männer geschossen haben.
Nach den Schüssen sei es zu einem Gerangel mit mehreren Passanten gekommen, wobei dem Tatverdächtigen die Pistole entrissen worden sei, sagte der Polizeipräsident für Mittelfranken, Adolf Blöchl. Er sprach von einer "brutalen" Tat, die in Nürnberg und vor allem bei der türkischen Community große Betroffenheit ausgelöst habe. Schon nach drei Tagen sei die Sonderkommission mit zwischenzeitlich mehr als 50 Beamten gegründet worden.
Der mutmaßliche Täter sei nach den Schüssen geflohen, erklärte Leiter Berthold. Er habe sich die Nacht über in Nürnberg versteckt und sei dann nach Frankfurt am Main gefahren. Bei einer Großrazzia Mitte Dezember sei er aber nicht gefunden worden, danach habe sich seine Spur verloren.
Die Fahnder in Italien fanden nun heraus, dass er schon seit dem 28. Dezember unter falscher Identität ein Zimmer in dem Hotel in Rimini gebucht hatte. Ob er tatsächlich seitdem dort lebte, wurde noch nicht geklärt. Als die italienische Polizei das Zimmer stürmte, habe A. geschlafen. Er habe keine Gegenwehr geleistet. In dem Zimmer seien eine unregistrierte Pistole und Munition gefunden worden, außerdem ein gefälschter griechischer Personalausweis.
Die Polizei hatte in Deutschland und Europa nach A. gefahndet und dabei auch die Öffentlichkeit einbezogen. In sozialen Netzwerken, auf Infoscreens an Bahnhöfen und auf der Homepage von Interpol sei er zu sehen gewesen, sagte Berthold. Außerdem war der Fall am 18. Januar Thema in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst".
Oberstaatsanwältin Gabriels Gorsolke sagte, dass der Haftbefehl momentan auf Totschlag laute. Ob es letztlich zu einer Anklage wegen Mordes komme, hänge von den Ermittlungen ab. Zunächst war noch unklar, wann und wie es mit dem Auslieferungsverfahren weitergeht.
B.Torres--AT