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Charles III. und Geschwister halten Totenwache am Sarg der Queen
Vor der Trauerfeier für Elizabeth II. und ihrer Beisetzung werden an diesem Wochenende voraussichtlich noch einmal hunderttausende Menschen in London der Queen an ihrem Sarg die letzte Ehre erweisen. Bis Montagmorgen 07.30 Uhr bleibt die Westminster Saal mit dem aufgebahrten Sarg der Monarchin für die Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Die Behörden rechnen mit einem erneut enormen Andrang am Samstag und Sonntag.
Am Freitag hatten sich kilometerlange Schlangen vor der Westminister Hall am Sitz des Parlaments gebildet. Die Wartezeit betrug zeitweise ganze 24 Stunden. Fast eine Stunde lang durften sich keine Trauernden mehr anstellen - die Regierung erklärte, in dem Park am Ende der Schlange sei kein Platz mehr. Nach Schätzung der Londoner Verkehrsbehörden werden bis Montagmorgen insgesamt 750.000 Menschen der Queen die Aufwartung gemacht haben.
Zu den Trauernden in der Westminister Hall gehörten am Freitag auch der neue britische König Charles III. und seine drei Geschwister. Am Sarg ihrer Mutter hielten Charles, Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward am Abend eine Totenwache ab - zwölf Minuten lang standen sie schweigend und mit gebeugten Häuptern da, während weiter Trauernde durch Westminster Hall zogen.
Alle vier trugen Galauniformen. Für Prinz Andrew war dies eine große Ausnahme: Der wegen Missbrauchsvorwürfen in Ungnade gefallene zweitälteste Sohn der Queen darf normalerweise keine Uniform mehr tragen. So darf er auch beim Staatsbegräbnis am Montag nicht in Uniform erscheinen.
Am Samstag werden auch acht Enkel der Königin an ihrem Sarg zu einer Totenwache zusammenkommen, darunter der neue Thronfolger Prinz William und sein Bruder Prinz Harry. William hatte in den vergangenen Jahren bereits zunehmend Pflichten im Königshaus übernommen, Harry und seine Frau Meghan hatten sich hingegen 2020 aus der ersten Reihe der Königsfamilie verabschiedet und leben im US-Bundesstaat Kalifornien.
Unter den Bürgerinnen und Bürgern, die am Freitag vor der Westminister Hall anstanden, war auch Ex-Fußballstar David Beckham - er wartete zwölf Stunden. Nach seinem Besuch am Sarg der Queen sagte er: "Es ist sehr emotional, und die Stille und die Stimmung im Raum ist schwer zu erklären."
Elizabeth II. war am Donnerstag vergangener Woche im Alter von 96 Jahren in ihrer schottischen Residenz Balmoral gestorben. Am Dienstag wurde ihr Sarg nach London gebracht, seit Mittwoch ist er in der mittelalterlichen Westminster Hall aufgebahrt.
Charles III. schloss am Freitag seine Reise durch alle Landesteile mit einem Besuch in Wales ab. Nach einem Gottesdienst mit dem neuen König und seiner Frau Camilla in der Llandaff-Kathedrale in Cardiff sangen zahlreiche Menschen die Nationalhymne "God Save the King".
Charles traf den wallischen Regierungschef Mark Drakeford, der bekennender Befürworter einer Republik ist. Drakeford sagte jedoch, die Frage der Zukunft der Monarchie sei "eine Fußnote zu den vorherrschenden Gefühlen des Tages". Am Cardiff Castle hielten beim Eintreffen des Königs ein paar Demonstranten Banner mit Aufschriften wie "Schafft die Monarchie ab" in die Höhe.
Die Trauerfeier für die Queen findet am Montag in der Londoner Westminster Abbey statt. Dazu werden rund 2000 Gäste erwartet, darunter Mitglieder anderer Königshäuser und Staatsoberhäupter aus aller Welt wie US-Präsident Joe Biden, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der japanische Kaiser Naruhito. Die Beisetzung von Elizabeth II. findet am Montagabend im Familienkreis auf Schloss Windsor statt.
Die Trauerfeierlichkeiten werden von einem riesigen Sicherheitsaufgebot begleitet. Die Londoner Polizei erklärte, dies sei der größte Einsatz ihrer Geschichte. Für Beunruhigung sorgte am Freitagmorgen ein Messerangriff im Zentrum von London, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden. Einer von ihnen habe "lebensverändernde" Verletzungen erlitten, teilte die Polizei mit. Auch der Angreifer kam ins Krankenhaus. Einen Terrorhintergrund schloss die Polizei jedoch aus.
D.Lopez--AT