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Energiepreisschock: EU-Kommission senkt Prognose für Deutschland deutlich
Aufschwung ausgebremst: Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs hat die EU-Kommission ihre Wachstumsvorhersage für Deutschland deutlich gesenkt. In ihrer am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsprognose sagt die Brüsseler Behörde ein Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,6 Prozent statt zuvor 1,2 Prozent für das laufende Jahr voraus. Zudem erwartet die Behörde einen Anstieg der Inflation im Euroraum auf drei Prozent 2026.
Für den gesamten Euroraum senkte die Kommission ihre Prognose für das laufende Jahr von 1,2 Prozent auf 0,9 Prozent des BIP. Für das Jahr 2027 stufte die Behörde ihre Prognose von 1,4 Prozent auf 1,2 Prozent herunter. Für Frankreich sieht die Kommission weniger schwere Auswirkungen voraus - hier soll die Wirtschaftsleistung 2026 um 0,8 Prozent wachsen, statt wie zuvor vorhergesagt um 0,9 Prozent.
Auch die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute hatten ihre Konjunkturprognose für Deutschland im April stark herabgestuft. Sie erwarten für 2026 ebenfalls eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent. Die Kommission geht davon aus, dass der Anstieg der öffentlichen Ausgaben in Deutschland "das gesamtwirtschaftliche Wachstum positiv unterstützen" werde. Für 2027 sagt die Behörde ein Wachstum von 0,9 Prozent voraus.
Die Kommission nannte als Grund für die schlechteren Aussichten die Erhöhung von Kosten und Preisen durch den Energiepreisschock infolge der Blockade der Straße von Hormus wegen des Iran-Krieges. Die Preiserhöhungen wirkten sich auf Reallöhne und Gewinnspannen aus und bremsten somit die Nachfrage.
"Der Konflikt im Nahen Osten hat einen schweren Energieschock ausgelöst und Europa noch stärker auf die Probe gestellt, da es bereits mit einem instabilen geopolitischen und handelspolitischen Umfeld konfrontiert ist", erklärte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis. Er forderte die EU auf, ihre Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen weiter zu verringern.
Da die Europäische Union Nettoimporteur von Energie ist, sind die 27 Mitgliedstaaten äußerst anfällig für Schwankungen der Energiepreise. Viele EU-Staaten haben versucht, die Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen mithilfe von Steuersenkungen, Obergrenzen für Kraftstoffpreise und anderen Maßnahmen zu begrenzen. Brüssel hat die Länder jedoch dazu aufgerufen, nur zeitlich befristete und gezielte Maßnahmen zu ergreifen.
"Die Situation dürfte sich 2027 leicht verbessern", erklärte die Kommission. Voraussetzung ist aber, das sich die Lage auf den Energiemärkten entspanne.
In ihrer Prognose geht die Kommission zudem von einem starken Anstieg bei der Inflation aus. Demnach dürfte die Gesamtinflation im Euroraum bis Ende des laufenden Jahres 3,0 Prozent statt den im Herbst vorhergesagten 1,9 Prozent erreichen. Für 2027 sagte die Kommission eine Inflation von durchschnittlich 2,3 Prozent voraus. Im November war sie noch von 2,0 Prozent ausgegangen.
T.Wright--AT