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Biden wirbt um hispanische Wähler und wirft Trump "Verachtung" von Latinos vor
US-Präsident Joe Biden hat bei einer Reise in die Bundesstaaten Nevada und Arizona um die Stimmen der wichtigen Wählergruppe der Latinos geworben. Seinen voraussichtlichen erneuten Wahlrivalen Donald Trump beschuldigte er in einem am Dienstag ausgestrahlten Interview der Feindseligkeit gegenüber der hispanischen Minderheit. "Dieser Typ verachtet Latinos", sagte Biden dem spanischsprachigen Sender Univision.
Biden verwies auf die Tiraden des Rechtspopulisten gegen Zuwanderer und insbesondere dessen Äußerung, Migranten würden "das Blut unseres Landes vergiften". Trotz seiner Verbalattacken auf Zuwanderer, die er pauschal als Vergewaltiger und Drogenhändler verunglimpft, hat der republikanische Ex-Präsident Trump aber laut Umfragen unter den "Hispanics" an Zuspruch gewonnen.
Dies ist für den Demokraten Biden ein Problem - denn die hispanische Wählergruppe könnte in einigen der Bundesstaaten, die bei der Präsidentenwahl im November eine Schlüsselrolle spielen, den Ausschlag geben. Die Latino-Minderheit ist in USA in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und macht inzwischen rund 19 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
"Latinos waren entscheidend für meinen Sieg im Jahr 2020, und sie werden wieder entscheidend sein", sagte der Präsident in dem Univision-Interview. "Ich arbeite hart daran, ihre Stimme zu gewinnen."
Während seiner Reise durch den Südwesten der USA besuchte Biden am Mittwoch in Phoenix in Arizona ein mexikanisches Restaurant. Dort wurde er mit dem Ruf "Viva Biden" ("Es lebe Biden!") begrüßt. Der Präsident sagte unter Jubel: "Ihr seid zum großen Teil der Grund, warum ich Trump geschlagen habe" und fügte hinzu: "Ich bin stark auf Euch angewiesen."
Biden wirbt um Unterstützung der "Hispanics" unter anderem damit, dass er sich als Anwalt der kleinen Leute präsentiert. Trump hingegen "interessieren nur die Reichen", sagte er in Phoenix. Zuvor hatte der 81-Jährige bei einem Auftritt in Las Vegas in Nevada hervorgehoben, dass unter Trump viele Menschen einen wirtschaftlichen Abstieg erlitten hätten: "Sie hatten ihr Business und ihren Glauben an das System verloren."
Aber durch die unter seiner Regierung beschlossenen Gesetze seien die Menschen "wieder auf die Beine gekommen", betonte Biden. Zugleich räumte er ein, dass "noch viel mehr zu tun" sei.
Traditionell neigen die US-Bürgerinnen und -Bürger lateinamerikanischer Herkunft dazu, bei der Präsidentenwahl den Kandidaten der Demokraten zu wählen. Darauf kann sich Biden jedoch nicht mehr verlassen. Die Umfragen zeigen, dass der Rückhalt für Biden in dieser Wählergruppe schwächer geworden ist, während Trump zugelegt hat.
Das Werben um die Latinos ist für Biden jedoch eine Gratwanderung, da auch er selbst angesichts der Sorgen vieler Bürger wegen unkontrollierter Zuwanderung seinen Kurs in der Migrationspolitik verschärft hat. Zudem ist die hispanische Wählergruppe in sich komplex und enthält auch konservative Strömungen. So sind etwa viele "Hispanics" gegen ein liberales Abtreibungsrecht, wie es von Biden und den Demokraten propagiert wird.
Bei der Wahl im Jahr 2020 hatte Biden in Nevada und Arizona nur mit sehr knappem Vorsprung gegen Trump gewonnen. In Nevada lag er mit rund 33.500 Stimmen vorn, in Arizona sogar nur mit 10.457 Stimmen. Beide Staaten gehören also zu der Gruppe der "Swing States", auf die Biden wie Trump auch im aktuellen Wahlkampf ihren Fokus richten.
O.Gutierrez--AT