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GDL-Streik: Bahn rechnet am Samstag mit "sehr stark belegten Zügen"
Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat am Freitag bundesweit zu massiven Beeinträchtigungen im Zugverkehr geführt und wird am Samstag für "sehr stark belegte Züge" sorgen. Die Deutsche Bahn (DB) gehe aber davon aus, dass sie "nahezu das vollständige Angebot wird fahren können", wie Unternehmenssprecher Achim Stauß am Freitag sagte. Er bat die Fahrgäste, wenn möglich ihre Fahrt noch weiter zu verschieben.
Am Freitag habe die DB im Fernverkehr einen Notfahrplan anbieten können, so dass etwa 20 Prozent der IC- und ICE-Züge fahren konnten, sagte Stauß. Auch im Regionalverkehr erstellte das Unternehmen einen Ersatzfahrplan. Hier gab es aber "deutliche regionale Unterschiede", in manchen Regionen hätten gar keine Züge fahren können.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer hatte im Güterverkehr ab Donnerstag um 18.00 Uhr und im Personenverkehr ab 22.00 Uhr bundesweit zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Der Ausstand sollte Freitagabend enden.
Stauß nannte den Streik "völlig unnötig". Er sei ein "Kraftakt für die Beschäftigten". Zum einen werde gerade noch daran gearbeitet, den Bahnbetrieb in Süddeutschland wegen des Winterwetters wieder in Gang zu bringen. Gleichzeitig bedeute der Fahrplanwechsel am Sonntag eine "deutliche Ausweitung auf vielen Strecken", das müsse "sorgfältig geplant" werden.
Die Tarifrunde zwischen Bahn und GDL hatte offiziell Anfang November begonnen. Knackpunkt ist die GDL-Forderung nach einer 35-Stunden-Woche im Schichtdienst - derzeit sind es 38 Stunden. Die Bahn lehnt Verhandlungen darüber ab und hält die Forderung angesichts des Fachkräftemangels für nicht umsetzbar.
Der Politologe und Gewerkschaftsexperte Wolfgang Schroeder forderte von der Bahn mehr Kompromissbereitschaft. Die kategorische Ablehnung habe "die starke Polarisierung in diesem Konflikt erst ermöglichte", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dabei sei die 35-Stunden-Woche "kein utopisches Ziel".
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warf der GDL hingegen Egoismus zu Lasten des Landes vor. "Die Interessen dieser kleinen Gewerkschaft sind offenbar wichtiger als die Funktionsfähigkeit des ganzen Landes", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Bild". Der Warnstreik sei "viel zu kurzfristig angesetzt worden", Bürger und Kommunen hätten praktisch keine Zeit gehabt, "sich umzustellen".
GDL-Chef Claus Weselsky verteidigte den Streik. "So Leid mir das für die Kunden tut, aber wir haben derzeit keine andere Wahl", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Der Gewerkschafter sieht die Absenkung der Arbeitszeit als Maßnahme zur Personalgewinnung. Zudem seien das Deutsche-Bahn-Management und Personalvorstand Martin Seiler nicht bereit, über die Tarifverträge für Fahrdienstleiter zu verhandeln.
Die GDL möchte ihre Zuständigkeit ausweiten und auch Tarifverträge für Beschäftigte in Bereichen abschließen, wo die konkurrierende und weit größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Verträge verhandelt. Die Bahn weist dies unter Verweis auf die Gesetzeslage zurück. Die GDL fordere, "die DB solle das Tarifeinheitsgesetz (TEG) nicht anwenden", erklärte das Unternehmen.
Das TEG wird bei der Bahn seit 2021 umgesetzt. In einem Betrieb gelten demnach nur noch die Tarifverträge einer Gewerkschaft und zwar derjenigen, die in dem Betrieb die meisten Mitglieder hat. Nach Angaben der Bahn zur Tarifrunde 2023 galten zuletzt in 282 der 300 Betriebe bei der Bahn die Verträge der EVG und in 18 Betrieben die der GDL.
Die Lokführer wollen noch härter kämpfen. Parallel zu den Warnstreiks läuft eine Urabstimmung der Gewerkschaftsmitglieder über häufigere und längere Streiks. Das Ergebnis soll am 19. Dezember verkündet werden. Über die Feiertage soll es aber keine weiteren Streiks geben, Weselsky hat eine Streikpause bis zum 7. Januar angekündigt. "Aber danach werden die Streiks länger und intensiver", sagte er dem Sender BR.
P.A.Mendoza--AT