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Arbeitsmarkt trotz Krise und Abschwung weiterhin stabil
Der Arbeitsmarkt ist im Juli trotz der mauen wirtschaftlichen Aussichten weitgehend stabil geblieben. Die Arbeitslosigkeit sei um 0,2 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent gestiegen, dies sei aber "mit der einsetzenden Sommerpause üblich", erklärte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg am Dienstag. BA-Chefin Andrea Nahles befürchtet einen abflauenden Anstieg der Beschäftigung, Experten sehen "erste Risse" im bislang sehr widerstandsfähigen Arbeitsmarkt.
Die Zahl der Arbeitssuchenden erhöhte sich im Vergleich zum Vormonat den Angaben zufolge um 62.000 auf 2,6 Millionen. Verglichen mit Juli 2022 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 147.000.
"Dieser leichte Anstieg ist typisch für die Sommermonate, da sich Jugendliche nach dem Schulabschluss oder dem Ausbildungsende arbeitslos melden sowie Unternehmen Neueinstellungen häufig bis zum Ende der Sommerferien aufschieben", erklärte das Bundesarbeitsministerium. "Um saisonale Effekte bereinigt nahm die Arbeitslosigkeit um 4.000 leicht ab."
Insgesamt sei er deutsche Arbeitsmarkt "robust". "Allerdings ist die konjunkturelle Entwicklung der nächsten Monate mit hohen Unsicherheiten verbunden", erklärte das Ministerium.
BA-Chefin Nahles zeigte sich weniger optimistisch. Neben der Arbeitslosigkeit habe auch die Unterbeschäftigung zugenommen, erklärte sie. "Die Beschäftigung nimmt zu, das Wachstum verliert aber zusehends an Schwung. Die Arbeitskräftenachfrage der Betriebe ist weiterhin zurückhaltend."
Die Unterbeschäftigung beinhaltet zusätzlich zur Arbeitslosigkeit auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristige Arbeitsunfähigkeit. Laut BA waren im Juli 3,45 Millionen Menschen unterbeschäftigt. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 239.000 gehe allerdings maßgeblich auf die hohe Zahl ukrainischer Geflüchteter zurück. Ohne diese "hätte die Unterbeschäftigung nur um 88.000 über dem Vorjahreswert gelegen".
Die Arbeitskräftenachfrage blieb im Monatsvergleich stabil. "Im Juli waren 772 000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 108 000 weniger als vor einem Jahr", erklärte die Agentur. "Die gemeldete Nachfrage nach neuen Mitarbeitern ist weiterhin zurückhaltend, auch wenn sich der Bestand gemeldeter Stellen noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau befindet."
Bei der Erwerbstätigkeit meldete die BA unter Verweis auf das Statistische Bundesamt keine Veränderung gegenüber dem Vormonat. Mit 45,94 Millionen Erwerbstätigen fiel sie demnach im Vergleich zum Vorjahr um 313.000 höher aus. "Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm saisonbereinigt von April auf Mai 2023 nur wenig zu", fügte die BA hinzu. Im Jahresvergleich stieg sie demnach um 253.000 auf 34,7 Millionen. Der Anstieg gehe allein auf neue Beschäftigte aus dem Ausland zurück.
Der ING-Analyst Carsten Brzeski sieht in den aktuellen Zahlen "erste Risse" im bislang trotz Krise und Wirtschaftsabschwung höchst widerstandsfähigen Arbeitsmarkt. Auswirkungen auf derzeit laufende Tarifverhandlungen sehe er aber bislang nicht. "Wir erwarten immer noch Lohnsteigerungen um fünf Prozent in diesem und um vier Prozent im kommenden Jahr."
J.Gomez--AT