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Die Königin der Rockballade: Britische Sängerin Bonnie Tyler gestorben
Die Königin der 80er-Jahre-Rockballade ist tot: Die mit Hits wie "Total Eclipse of the Heart" berühmt gewordene britische Sängerin Bonnie Tyler starb am Mittwochabend einen Monat nach ihrem 75. Geburtstag in einem Krankenhaus in Portugal, wie ihre Familie am Donnerstag mitteilte. Die für ihre Reibeisenstimme bekannte Sängerin war Anfang Mai in Faro an der portugiesischen Algarve-Küste notoperiert worden und lag anschließend wochenlang im künstlichen Koma.
Tyler sei "unerwartet im Krankenhaus an den Folgen der Krankheit gestorben, wegen der sie behandelt wurde", erklärte ihre Familie im Onlinedienst Facebook. Noch Mitte Juni hatten Tylers Team und Familie erklärt, die Musikerin sei aus dem Koma erwacht und die Ärzte seien zuversichtlich, "dass sie sich gut erholen wird".
Die Sängerin hatte erst kürzlich die neue Single "Only Love" herausgebracht und eine monatelange Europatournee zum 50. Jahrestag ihres ersten Hits "Lost in France" geplant, die im Dezember in ihrer walisischen Heimat enden sollte. Allein 17 Konzerte waren in Deutschland geplant, wo Tyler bis zuletzt viele Fans hatte.
"Rest in peace, my dear", schrieb der als Stimme von Modern Talking bekannt gewordene Sänger Thomas Anders im Onlinedienst Facebook zu einem gemeinsamen Foto mit Tyler. Er werde Erinnerung an die "musikalischen Momente" und Treffen mit ihr in Ehren halten.
Bonnie Tyler, mit bürgerlichem Namen Gaynor Hopkins, wurde Ende der 70er Jahre mit dem Song "It's a Heartache" bekannt. In den 80er Jahren wurde die Sängerin mit Titeln wie "Total Eclipse of the Heart" und der Powerballade "Holding Out for a Hero" zum Weltstar. Im Laufe ihrer Karriere veröffentlichte Tyler 17 Studioalben und wurde für drei Grammys nominiert.
Tylers "Total Eclipse of the Heart" gehört zu den erfolgreichsten Rock-Balladen aller Zeiten: Anfang des Jahres und damit 43 Jahre nach seiner Veröffentlichung knackte der Song im Streamingdienst Spotify die Marke von eine Milliarde Aufrufen.
"Wer hätte je gedacht, dass der Song bis heute solch einen Erfolg haben würde und Leute dazu Karaoke singen würden, die damals noch nicht einmal geboren waren?" sagte Tyler im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem "Daily Telegraph". Sie selbst habe allerdings "fast nichts" an dem Hit verdient, den sie nicht selbst geschrieben hatte.
Raue Stimme, wilde blonde Mähne und dunkel geschminkte Augen waren Tylers Markenzeichen. In den 80er Jahren war sie damit die Königin der Powerballaden. Gaynor Hopkins wurde 1951 geboren und wuchs in der walisischen Stadt Neath mit fünf Geschwistern auf. Die Verhältnisse waren einfach, der Vater arbeitete im Kohlebergwerk, die Mutter war Hausfrau.
Die musikalische Begabung habe sie von ihrer Mutter geerbt, sagte Tyler. "Meine Mutter hatte jede Menge Schallplatten, und bei der Hausarbeit sang sie bei geöffneten Fenstern aus voller Kehle. Die Leute blieben draußen stehen, um ihr zuzuhören. Sie war so unglaublich", berichtete die Musikerin. Nach der Schule arbeitete Tyler in einem Lebensmittelladen und sang zunächst nur in ihrer Freizeit. Ihren Namen änderte sie in Sherene Davis, um Verwechslungen mit einer anderen walisischen Sängerin, Mary Hopkin, zu vermeiden.
1975 entdeckte der Talentscout Roger Bell die junge Musikerin, als sie in einem Nachtclub in Swansea sang. Wenige Monate später nahm das Musiklabel RCA Records sie unter Vertrag, aus Sherene Davis wurde Bonnie Tyler. Kurz darauf wurde Tyler operiert, um Knötchen an ihren Stimmbändern zu entfernen. Da sie ihre Stimme nach dem Eingriff nicht ausreichend schonte, entwickelte sich ihr charakteristischer rauer Klang.
Seit 1973 war die Künstlerin mit ihrer Jugendliebe verheiratet, dem Immobilienunternehmer und Judoka Robert Sullivan. Das Paar lebte abwechselnd an der portugiesischen Algarveküste und in Wales.
Trotz ihres Erfolgs bewahrte sich Tyler ihre Bodenständigkeit und ihren walisischen Akzent. "Ich führe ein sehr normales Leben und laufe nicht mit Bodyguards herum. Und ich bin immer zu einem Selfie vor der Salattheke bereit", sagte sie im vergangenen Jahr der "Times". Ihre alten Songs würden ihr auch nach Jahrzehnten nicht langweilig: "Sobald ich eine dieser Nummern singe, singt das ganze Publikum mit - es ist magisch."
H.Romero--AT