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Deutschland erlebt heißesten Juni-Tag: Viele Veranstaltungen abgesagt
In Deutschland war es am Freitag so heiß wie noch nie in einem Juni. Nach den vorläufigen Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) stiegen gleich an mehreren Orten die Thermometer über 40 Grad Celsius, mit 40,9 Grad wurde in Saarbrücken ein neuer Rekordwert gemessen. Viele Städte sagten angesichts der Gluthitze Veranstaltungen ab, in der Mosel droht ein Fischsterben.
Bisher waren 39,6 Grad, die 2019 in Bernburg in Sachsen-Anhalt gemessen wurden, der Juni-Rekordwert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Übertroffen wurde dieser bisherige Rekordwert an zahlreichen Orten, darunter etwa Bad Kreuznach mit 40,7 Grad oder Trier mit 40,1 Grad. Insgesamt registrierten 147 Wetterstationen einen lokalen neuen Juni-Rekordwert.
Die Hitze sollte sich am Samstag noch weiter steigern mit lokal bis zu 42 Grad. Lediglich im äußersten Norden Deutschlands sollte es etwas kühler sein. Mit der anhaltenden Hitze steigt die gesundheitliche Belastung, deshalb warnen Mediziner und Behörden. Besonders problematisch sind vielerorts tropische Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken.
Am Samstag wurden zudem vom westlichen Mittelgebirgsraum über Nordrhein-Westfalen bis nach Niedersachsen einzelne kräftige Gewitter, auch Unwetter, erwartet, in der Nacht zu Sonntag dann im Nordwesten und Norden einzelne Gewitter mit Unwetterpotenzial. Am Sonntag sollte bei anhaltender Hitze die Unwetterneigung mit Starkregen, Hagel und Sturmböen allgemein zunehmen.
An der Mosel droht derweil wegen der anhaltenden Hitzewelle ein Fischsterben. Im Bereich Palzern an der Obermosel liege die Sauerstoffkonzentration des Wassers bereits unter der für Fische kritischen Marke, teilte das rheinland-pfälzische Umweltministerium mit.
Die Gewässertemperaturen an Rhein und Mosel überschritten demnach mittlerweile die 27-Grad-Marke, die Saar wird diese Marke voraussichtlich am Wochenende erreichen. Das Land löste die zweite Warnstufe eines Handlungs- und Informationskonzepts bei hohen Wassertemperaturen aus. Das vierstufige Warnsystem sieht insbesondere auch Einschränkungen für Firmen vor, die Wasser in die Flüsse einleiten.
Angesichts der extremen Hitze in Deutschland strichen mehrere Städte Veranstaltungen. Die Stadt Köln sagte das am Sonntag im Rheinpark geplante Kinder- und Familienfest ab. Eigentlich war ein mehrstündiges Programm inklusive Bühnenauftritte und Bewegungsparcours geplant.
Die Stadt Cottbus sagte das ebenfalls für Sonntag geplante Spreekonzert ab, das Konzert wäre eine Premiere geworden. Die Stadt begründete die Verschiebung mit Temperaturprognosen von bis zu 43 Grad für den Sonntag. In Leipzig sagte die dortige Oper den Premierentermin des musikalischen Märchens "Pit und Paula - frisch versalzen" am Samstag ab. "Der Auftritt des Kinder- und Jugendchores wäre nicht zu verantworten", hieß es von der Oper. Die hessische Stadt Hanau sagte sämtliche städtische Veranstaltungen für das gesamte Wochenende ab.
In München hielt die Stadt hingegen am Christopher Street Day (CSD) für Samstag fest. Es werde "heiß und voll", Besucher sollten Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 verwenden, regelmäßig Wasser trinken und eine Kopfbedeckung mitbringen, hieß es. Außerdem seine Trinkwasserstellen aufgebaut und Wasser-Sprühstationen geplant.
Weite Teile Europas leiden unter der aktuellen Hitzewelle. In Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien werden ebenfalls außergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Die französische Regierung befürchtet zahlreiche Hitzetote. "Wir sind besorgt über landesweite Todesfälle zu Hause", erklärte das Gesundheitsministerium. Zahlen dazu lagen zunächst nicht vor. Die jüngste Hitzewelle hat in ihrer Ausdehnung und Intensität bereits eine Hitzewelle von 2003 übertroffen, die in Frankreich zu 15.000 Todesfällen geführt hatte. In Spanien starben bereits mehr als 200 Menschen wegen der extremen Temperaturen.
Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts dürfte die Hitzewelle bis Anfang kommender Woche andauern. Damit wäre es mit voraussichtlich zwölf Tagen eine der längsten Phasen mit Hitzewarnungen seit Einführung des DWD-Hitzewarnsystems im Jahr 2005, erklärte dieser.
Die Intensität der derzeitigen Hitzewelle in Europa hängt nach Einschätzung einer Wissenschaftlergruppe mit dem Klimawandel zusammen. "Der Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). Die natürliche Wärmephase durch das Wetterphänomen El Niño spiele hingegen "keine Rolle bei der Steigerung der Hitze".
Die derzeitigen extrem hohen Temperaturen am Tag und in der Nacht wären den Forschenden zufolge zu diesem Zeitpunkt im Jahr vor 50 Jahren "praktisch unmöglich" gewesen.
D.Lopez--AT