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Jauch moderierte - Werder füllte mit Billigtickets Stadion
Der damals noch 32 Jahre junge Günther Jauch moderierte in einem grässlichen gelb-blauen Blouson die Arena-Show, die Fans von Werder Bremen schwenkten im Weserstadion bunte Papierfähnchen, und Willi Lemke rieb sich genüsslich die Hände.
Denn was Zweitligist Fortuna Düsseldorf aktuell im großen Stile plant, führte der geschäftstüchtige Manager schon am 18. März 1989 ein paar Nummern kleiner und unter etwas anderen Rahmenbedingungen mit riesigem Erfolg durch. "Werder-Willi" verkaufte das Bundesliga-Heimspiel gegen den SV Waldhof Mannheim für umgerechnet 60.000 Euro an den Automobilhersteller Citroen.
Im Gegenzug verscherbelte der französische Konzern exakt 37.204 Tickets zu einem Viertel der seinerzeit üblichen Preise, eine Sitzplatzkarte kostete umgerechnet vier Euro. Und Lemke schwärmte: "Bei dieser Geschichte gibt es nur Gewinner. Die Zuschauer kommen fast umsonst ins Stadion, unsere Mannschaft spielt vor fast vollem Haus, und auch der Werbepartner ist zufrieden."
Zur Wahrheit gehörte aber auch: Die Gäste fühlten sich nicht ganz zu Unrecht als Versuchskaninchen missbraucht, zumal sie ja an den Einnahmen der Partie nicht beteiligt waren. "Wir sind nicht der billige Jakob, aber wir können wohl nichts dagegen machen", erklärte Waldhof-Präsident Wilhelm Grüber resigniert.
Dem hanseatischen Kaufmann Lemke war halt nicht verborgen geblieben, dass in den vorausgegangenen Jahren kaum mehr als 20.000 Fans die Gastspiele der Waldhöfer am Osterdeich sehen wollten.
Und auch rein sportlich hatte der Mannheimer Traditionsklub Pech: Die Partie beim damals amtierenden deutschen Fußballmeister ging durch ein Tor von Nationalspieler Karl-Heinz Riedle in der Nachspielzeit noch mit 1:2 verloren. Ein Jahr später stieg Mannheim dann ab - und kehrte bis heute nicht in die Bundesliga zurück.
Ch.P.Lewis--AT