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Nordkorea feuert Interkontinentalrakete ab
Bei einem neuerlichen Raketentest hat Nordkorea am Freitag eine Interkontinentalrakete abgefeuert, die laut Tokio mutmaßlich auch die USA hätte erreichen können. Nach Angaben aus Tokio ging das Geschoss westlich der japanischen Insel Hokkaido im Meer nieder. Die USA und ihre Verbündeten verurteilten den Raketentest "auf das Schärfste". Moskau machte hingegen Washington für das Vorgehen Nordkoreas verantwortlich.
Der südkoreanische Generalstab teilte mit, die Langstreckenrakete sei am Freitagmorgen (Ortszeit) von der Region Sunan aus in Richtung Meer abgefeuert worden und eintausend Kilometer weit und 6100 Kilometer hoch geflogen - etwas weniger, als die am 24. März von Nordkorea abgefeuerte Langstreckenrakete, dem bislang stärksten Test.
Japans Verteidigungsminister Yasukazu Hamada sagte, Berechnungen zufolge "könnte die ballistische Rakete dieses Mal eine Reichweite von 15.000 Kilometern gehabt haben". Damit hätte das Festland der USA in Reichweite der Rakete gelegen.
Der japanische Regierungschef Fumio Kishida verurteilte den Raketenstart als "absolut unverantwortlich". Tokio habe bei der Regierung in Pjöngjang Protest eingelegt. Nordkorea wiederhole "provokante Aktionen in noch nie dagewesener Häufigkeit", erklärte Kishida. Südkoreas Ministerpräsident Han Duck Soo nannte den Raketentest eine "große Provokation," der die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verletze. Die internationale Gemeinschaft müsse entschlossen auf diesen "dreisten Akt" reagieren.
US-Vizepräsidentin Kamala Harris traf am Rande des Asia-Pazifik-Gipfels in Bangkok mit Vertretern Japans, Südkoreas, Australiens, Neuseelands und Kanadas zu einer Krisensitzung zusammen. "Wir verurteilten diese Handlungen auf das Schärfste", sagte Harris zu Beginn des Treffens. Anschließend veröffentlichte das Weiße Haus eine Erklärung, wonach die sechs Länder für den Fall eines nordkoreanischen Atomtests mit einer "starken und entschlossenen Reaktion" drohten. Gleichzeitig bekräftigten sie, dass "der Weg des Dialogs" offen bleibe. Das Land solle auf "unnötige Provokationen" verzichten und zu "ernsthafter und nachhaltiger Diplomatie zurückkehren".
Nordkorea hatte seine Raketentests nach gemeinsamen Militärübungen von Südkorea und den USA intensiviert. US-Präsident Joe Biden hatte am Sonntag mit Kishida und dem südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol am Rande des Südostasiengipfels in Kambodscha über Nordkorea beraten. Gemeinsam warnten sie das Land vor Konsequenzen, sollte es einen Atomtest vornehmen.
Am Montag hatte Biden auch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping über Nordkorea gesprochen. Anschließend sagte Biden, er sei "zuversichtlich", dass Peking nicht wolle, dass Nordkorea den Konflikt weiter eskaliere. Die US-Regierung geht davon aus, dass der Schlüssel für eine Umstimmung Pjöngjangs bei China liegt, dem wichtigsten Verbündeten des Landes.
Russland, zweiter Verbündeter Nordkoreas, warf den USA am Freitag vor, die Geduld Nordkoreas auf die Probe zustellen. Vize-Außenminister Sergej Rjabkow sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, während Russland ein diplomatisches Vorgehen vorziehe, sei es "in letzter Zeit besonders deutlich geworden, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in der Region einen anderen Weg bevorzugen".
Nordkorea hatte erst am Mittwoch erneut eine Kurzstreckenrakete abgefeuert. Zuvor hatte Pjöngjang gedroht, je mehr Washington seine Sicherheitspartnerschaft mit Tokio und Seoul ausbaue, "desto heftiger wird die militärische Gegenaktion" Nordkoreas sein.
Washington und Seoul warnen seit Monaten davor, dass Nordkorea in naher Zukunft einen Atomwaffentest ausführen könnte. Es wäre der erste solche Test seit 2017. Insgesamt hat Nordkorea seit 2006 sechs Atomwaffentests vorgenommen.
R.Chavez--AT