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Militärjunta in Myanmar lässt tausende Gefangene frei
Die Militärjunta in Myanmar hat anlässlich des Nationalfeiertages eigenen Angaben zufolge eine Amnestie für tausende Häftlinge erlassen. Unter den knapp 6000 Gefangenen, mit deren Freilassung am Donnerstag begonnen wurde, sind untere anderem die frühere britische Botschafterin Vicky Bowman, der australische Berater Sean Turnell und der japanische Dokumentarfilmer Toru Kubota. US-Außenminister Antony Blinken sprach von einem "Lichtblick" in "unglaublich dunklen Zeiten" für Myanmar.
Drei Busse passierten am Nachmittag das Haupttor des weitläufigen und aus der britischen Kolonialzeit stammenden Gefängnisses. Insgesamt sollten 5774 Häftlinge freigelassen werden, darunter etwa 600 Frauen, wie ein Junta-Vertreter sagte.
Auch drei ehemalige Minister der entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi wurden freigelassen sowie der Sprecher ihrer Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD). Der Junta-Vertreter machte keine Angaben dazu, wieviele der nun Begnadigten im Zuge der Verhaftungswelle nach dem Militärputsch im vergangenen Jahr festgenommen worden waren.
Die frühere britische Botschafterin Bowman traf am Abend (Ortszeit) in Bangkok ein, wie ein AFP-Reporter beobachtete. Diplomatenangaben zufolge waren auch der australische Berater Turnell und der japanische Dokumentarfilmer Kubota an Bord der Maschine.
Bowman, die Großbritannien von 2002 bis 2006 als Botschafterin in Myanmar vertreten hatte, war im August gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem prominenten Künstler Htein Lin, festgenommen worden. Als Grund gaben die Behörden an, Bowman wohne an einer anderen Adresse als in ihren Meldeunterlagen angegeben. Das Paar wurde später zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Auch Htein Lin sollte nach Junta-Angaben nun freikommen.
Sean Turnell hatte als Berater der Zivilregierung unter Suu Kyi gearbeitet und wurde kurz nach dem Militärputsch im Februar vergangenen Jahres verhaftet. Im September wurden er und Suu Kyi wegen Verstoßes gegen ein Geheimhaltungsgesetz zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
Der Dokumentarfilmer Kubota war im Juli nahe einer Junta-kritischen Demonstration in Yangon festgenommen und später zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.
US-Außenminister Blinken sagte am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Bangkok, Washington sei zwar "erfreut, die Freilassung von unrechtmäßigerweise Inhaftierten zu sehen". Er könne aber nicht sagen, ob die Amnestie ein Ausdruck für einen "echten Wechsel in der Richtung des Regimes" sei. Die USA würden das Handeln der Junta in den kommenden "Tagen, Wochen und Monaten" beobachten.
Ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagte, "tausende Menschen, die seit dem Putsch in Myanmar inhaftiert sind, haben nichts Falsches getan und hätten gar nicht erst inhaftiert werden dürfen".
Das Militär hatte in Myanmar im Februar 2021 die gewählte Regierung gestürzt und die Macht übernommen. Darauf folgende Massenproteste wurden gewaltsam niedergeschlagen. Nach Angaben örtlicher Gruppen wurden bei Protesten und Auseinandersetzungen mit dem Militär bislang mehr als 2300 Menschen getötet und mindestens 14.000 festgenommen.
W.Stewart--AT