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144 Flüchtlinge dürfen deutsches Rettungsschiff in Italien verlassen
Italien hat 144 Minderjährige und Kranke von einem unter deutscher Flagge fahrenden Rettungsschiff im Hafen von Catania in Sizilien von Bord gelassen. Drei weibliche Minderjährige und ein Baby hätten das Schiff als erstes verlassen, gefolgt von männlichen Minderjährigen und kranken Erwachsenen, sagte Petra Krischok, Sprecherin von SOS Humanity, der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag. 35 männliche Erwachsene mussten demnach an Bord bleiben. Die Opposition kritisierte die "Selektion" der Schiffbrüchigen.
Zuvor hatten die italienischen Behörden die "Humanity 1" aufgefordert, in den Hafen von Catania einzulaufen. Die Regierung in Rom sagte, sie werde bei ihren humanitären Verpflichtungen keinen "Rückzieher" machen. Diejenigen, die nicht "qualifiziert" seien, müssten allerdings "unsere Hoheitsgewässer verlassen und von dem Staat versorgt werden, unter dessen Flagge sie fahren", sagte Innenminister Matteo Piantedosi am Samstag.
SOS-Humanity-Sprecherin Krischok sprach davon, dass die Stimmung unter Überlebenden "extrem gedrückt" sei. Ein Mensch habe einen Zusammenbruch erlitten. Das Schiff bleibe vorerst mit den Migranten, die die "Humanity 1" nicht verlassen durften, im Hafen. Zunächst war nicht klar, ob das Schiff wieder auslaufen muss.
Der Oppositionsabgeordnete Aboubakar Soumahoro, der dabei war, als die Flüchtlinge die "Humanity 1" verließen, kritisierte die "Selektion von schiffbrüchigen Migranten". Sie verstoße gegen internationales Recht. Die Regierung der ultrarechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni behandele die erschöpften Schiffbrüchigen "wie Objekte".
Sollten die auf dem Schiff verbleibenden Migranten abgewiesen werden, "werden wir diese Entscheidung in allen geeigneten Institutionen anfechten", schrieb Soumahoro im Onlinedienst Twitter.
Die "Humanity 1" ist bislang das einzige von insgesamt vier Rettungsschiffen, das eine Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen erhielt. Die Seenotretter der "Humanity 1" hatten nach eigenen Angaben zwischen dem 22. und 24. Oktober bei drei Einsätzen Migranten gerettet, die im Mittelmeer in Seenot geraten waren. Unter ihnen sind demnach mehr als hundert unbegleitete Minderjährige. Die Bundesregierung hatte Italien am Donnerstag um "schnelle Hilfe" für die geretteten Flüchtlinge gebeten.
Neben der "Humanity 1" fährt auch die "Rise Above" der Hilfsorganisation Mission Lifeline unter deutscher Flagge. Zwei weitere Schiffe, die "Ocean Viking" der Flüchtlingsrettungsorganisation SOS Méditerranée und die "Geo Barents" von Ärzte ohne Grenzen, sind in Norwegen registriert. Die "Rise Above", die "Ocean Viking" und die "Geo Barents" haben insgesamt rund 900 Flüchtlinge an Bord.
Ein Fotograf auf der "Ocean Viking" sagte der AFP, dass sich die Bedingungen auf dem Meer "verschlechtern und wir mehr Regen erwarten". Den Menschen an Bord gehe es "nicht gut, weil sie seekrank sind, auch die Kinder", sagte er. Ihm zufolge befinden sich unter den mehr als 200 Migranten 57 Minderjährige.
Italiens Ministerpräsidentin Meloni hatte nach ihrem Amtsantritt angekündigt, sie werde die Ankunft von Einwanderern aus Afrika blockieren. Ihr Innenminister Piantedosi erklärte, er könne die Schiffe der Hilfsorganisationen und die an Bord befindlichen Migranten daran hindern, nach Italien zu kommen.
B.Torres--AT