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Nato warnt Russland vor Eskalation unter dem Vorwand "schmutziger Bomben"
Kiews Verbündete haben mit Ablehnung und Sorge auf Russlands Äußerungen über Szenarien mit einer radioaktiven "schmutzigen Bombe" in der Ukraine reagiert. So warnte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Montag im Online-Dienst Twitter, Russland dürfe die "falsche Behauptung", dass Kiew den Einsatz einer solchen Bombe vorbereite, nicht als "Vorwand für Eskalation" nutzen. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) warnte vor dem "Überschreiten von roten Linien". Die Ukraine vermeldete unterdessen Gebietsgewinne im Nordosten des Landes.
Stoltenberg erklärte, er habe mit den Verteidigungsministern der USA und Großbritanniens über die russischen Anschuldigungen gesprochen. Das Militärbündnis "weist diesen Vorwurf zurück", schrieb der Nato-Chef.
Lambrecht äußerte sich tief besorgt über die jüngsten Äußerungen aus Moskau. Der Westen müsse geschlossen zum Ausdruck bringen, dass jeder Einsatz derartiger Nuklearwaffen ein "Überschreiten von roten Linien" wäre, sagte Lambrecht bei einem Besuch beim Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr im baden-württembergischen Calw.
Russland Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte am Sonntag in Telefonaten mit Verteidigungsministern aus mehreren Nato-Staaten die Sorge geäußert, die Ukraine könne den Einsatz einer "schmutzigen Bombe" vorbereiten. Darunter wird ein konventioneller Sprengkörper verstanden, der bei seiner Explosion radioaktives Material in der Umgebung verteilt und diese verstrahlt.
Die Ukraine und die USA hatten den Vorwurf sofort als absurd zurückgewiesen. Die Äußerung Schoigus nährte aber die Befürchtung, Russland könne seinerseits den Einsatz einer derartigen Waffe planen.
Ein Vertreter des US-Militärs sagte jedoch am Montag, es gebe keine "Anzeichen dafür, dass Russland sich für den Einsatz atomarer, chemischer oder biologischer" Waffen in der Ukraine entschieden habe. Auf die Frage, ob diese Einschätzung auch "schmutzige Bomben" beinhalte, antwortete er mit Ja.
Russland erneuerte derweil am Montag seinen Vorwurf. Die Ukraine sei "in der abschließenden Phase" der Herstellung, erklärte Generalleutnant Igor Kirillow, der in der russischen Armee für radioaktive, biologische und chemische Substanzen zuständig ist.
Moskau setzte auch seine Telefon-Kampagne fort: Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow habe während eines Gesprächs mit seinem US-Amtskollegen Mark Milley "die Situation bezüglich des möglichen Einsatzes einer 'schmutzigen Bombe' durch die Ukraine" diskutiert, hieß es in einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums.
Auch das britische Verteidigungsministerium erhielt eigenen Angaben zufolge am Montag einen Anruf aus Moskau. Der Chef des Verteidigungsstabes habe "Russlands Anschuldigungen, dass die Ukraine Maßnahmen zur Eskalation des Konflikts plant, zurückgewiesen", teilte das Ministerium in einer Stellungnahme mit.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sagte, die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) werde Experten in die "friedlichen Anlagen in der Ukraine" senden, denen Russland "betrügerischerweise vorwirft, schmutzige Bomben zu entwickeln".
IAEA-Chef Rafael Grossi habe seine Einladung angenommen. "Anders als Russland war und bleibt die Ukraine immer transparent", sagte Kuleba. "Wir haben nichts zu verbergen", fügte er hinzu.
Das ukrainische Militär gab am Montag an, russische Einheiten aus mehreren Dörfern im Nordosten des Landes vertrieben zu haben. "Dank erfolgreicher Aktionen haben unsere Soldaten den Feind aus den Ortschaften Karmasynikwa, Mjasoschariwka und Newske in der Region Luhansk sowie Nowosadowe in der Donezk-Region gedrängt", hieß es in einer Erklärung.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf vor dem Hintergrund anhaltender russischer Drohnenangriffe auf Städte in der Ukraine Israel vor, eine "Allianz" zwischen Russland und dem Iran ermöglicht zu haben. Ein solches Bündnis hätte ohne die neutrale Haltung der israelischen Regierung zum russischen Angriffskrieg gegen sein Land "schlicht nicht existiert", sagte Selenskyj.
Unter Berufung auf den ukrainischen Geheimdienst sprach Selenskyj von "rund 2000" Drohnen vom Typ Schahed, die Moskau von Teheran bestellt habe. Zunächst blieb unklar, ob die genannte Zahl sich auf neue oder vergangene Käufe bezog.
Der Iran dementierte erneut, Drohnen an Russland zu verkaufen. "Wir haben Russland nicht mit irgendwelchen Waffen oder Drohnen für den Krieg gegen die Ukraine beliefert", sagte Außenminister Hossein Amir-Abdollahian in einem von örtlichen Medien veröffentlichten Video.
Y.Baker--AT