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Russische Truppen rücken laut Gouverneur aufs Stadtzentrum von Sewerodonezk vor
In der Ostukraine rücken die russischen Truppen immer weiter auf das Stadtzentrum der umkämpften Stadt Sewerodonezk vor. "Die Russen rücken in die Mitte von Sewerodonezk vor", erklärte Gouverneur Sergij Gajdaj am Montag. In der südlichen Region Cherson ging die ukrainische Armee unterdessen zum Gegenangriff über und drängte die russischen Truppen nach eigenen Angaben im Bereich einiger Dörfer zurück.
Die durch einen Fluss getrennten Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk sind die letzten Städte in der Region Luhansk, die noch von der Ukraine kontrolliert worden. In Sewerodonezk hatte es nach Angaben des Gouverneurs schon am Sonntag heftige Straßenkämpfe gegeben.
Am Montag dauerten die Kämpfe an, wie Gajdaj im Messengerdienst Telegram erklärte. Mittlerweile sei die Lage in der Stadt "sehr schwierig". "Die wichtige Infrastruktur von Sewerodonezk ist zerstört, 60 Prozent der Wohnungen können nicht wiederaufgebaut werden", erklärte der Gouverneur von Luhansk. Die Straße, die Sewerodonezk mit Lyssytschansk und Bachmut weiter südlich verbindet, sei zu "gefährlich", um Zivilisten in Sicherheit und Hilfsgüter in die Stadt zu bringen.
Sewerodonezk-Bürgermeister Olexander Stryuk hatte bereits am Wochenende wegen der humanitären und sanitären Lage in der Stadt Alarm geschlagen, die vor dem Krieg 100.000 Einwohner hatte und in der nun schätzungsweise noch 15.000 Zivilisten ausharren. "Ständige Bombenangriffe" erschwerten vor allem die Versorgung mit Trinkwasser.
In Donezk, der Hauptstadt der 2014 von prorussischen Separatisten ausgerufenen "Volksrepublik" Donezk, wurden nach russischen Angaben unterdessen fünf Menschen bei einem ukrainischen Angriff getötet. Wie russische Nachrichtenagenturen meldeten, beschossen ukrainische Streitkräfte am Montag das Stadtzentrum von Donezk und trafen dabei zwei Wohnblocks und drei Schulen. Fünf Zivilisten seien getötet und 16 weitere Menschen verletzt worden.
Bei Kämpfen in der Region Cherson in der Südukraine drängten ukrainische Streitkräfte die russische Armee unterdessen in der Nähe der Dörfer Andrijiwka, Losowe und Bilohirka zurück, wie die ukrainische Armee mitteilte. "Cherson, bleib standhaft, wir sind nah", erklärte der Generalstab auf Facebook. Zur Abwehr der Gegenoffensive errichteten russische Truppen den Angaben zufolge Verteidigungslinien rund um Cherson. Ins benachbarte Mykolajiw seien zudem russische Spezialeinheiten entsandt worden, "um verlorene Stellungen zurückzuerobern".
Der Großraum um die Hafenstadt Cherson war gleich nach Kriegsbeginn Ende Februar von russischen Truppen erobert worden. Die Lage der Stadt an der Mündung des Dnjepr und in unmittelbarer Nähe zur von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist von großer strategischer Bedeutung.
In der von russischen Truppen besetzten Stadt Melitopol in der Südukraine wurden nach Angaben der von Moskau eingesetzten Stadtverwaltung unterdessen zwei Menschen bei der Explosion einer Autobombe verletzt. Die neu ernannte pro-russische Bürgermeisterin Halina Daniltschenko machte Kiew für den "Anschlag" verantwortlich und sprach laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti von einem gegen Zivilisten gerichteten "zynischen Terrorakt".
Die neue französische Außenminister Catherine Colonna reist am Montag nach Kiew, um mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Außenminister Dmytro Kuleba zu sprechen. Colonna besuchte auch den Kiewer Vorort Butscha, wo nach dem Rückzug russischer Truppen im März die Leichen zahlreicher Zivilisten gefunden worden waren.
W.Stewart--AT